Diese Erscheinung des weißleuchtenden Schaumes wiederholte sich nur noch Einmal in der folgenden Nacht (von dem 24sten zum 25sten) nach 12 Uhr, aber nicht so lebhaft, wie den 23sten und wurde nachher von uns nicht mehr gesehn.

Wir schifften nun vom 25sten Sept. an noch neun Tage lang durch das indische Meer und kamen erst in der Nacht vom 3ten October, also nach einer Fahrt von elf vollen Tagen und sechs Stunden seit unserer Abfahrt von Point de Galle auf der Rhede von Aden an. Unser Cours war während dieser Zeit bis nach Aden fast anhaltend West zu Nord, – der Wind war Anfangs West und West-Nord-West und erst seit dem 29sten, als wir uns dem Zwischenraume zwischen Arabien und der Insel Socotora näherten, vorherrschend Süd-Süd-West oder Süd-West, er wurde aber immer schwächer, je näher wir dem Lande kamen, – das Meer immer stiller, spiegelglatter, – das Wetter heitrer, ich möchte sagen egyptischer, – die Wärme aber auch immer drückender. Im rothen Meere war unser Cours bis Suez fast anhaltend Nord-Nord-West, auch herrschten dort nord-westliche, sehr schwache, Winde vor. – Je näher wir der Küste von Arabien kamen, um so mehr verschwanden auch die kleinsten Wölkchen aus der Luft, und der feine Regenschauer am 23sten war die letzte atmosphärische Feuchtigkeit, die wir auf dieser Reise sahen. Von diesem Tage an sah ich in der indischen See, zu Aden, auf dem rothen Meere und in Egypten dreißig Tage lang keinen Regentropfen mehr, kein Wölkchen mehr am stets heitern Himmel und erst am 24sten October, als ich im mittelländischen Meere war, sah ich wieder Wolken, die sich in einer langen Reihe an den Gebirgszügen der Insel Candia, dem alten Kreta, bei übrigens heitrer Luft, gelagert hatten.

Unser Schiff glitt auf dem indischen und rothen Meere so gleichmäßig, so gestadig dahin, daß man, auf der Mitte des Verdeckes sitzend oder stehend, nicht mehr glaubte, sich auf einem schwimmenden Körper zu befinden; das Schiff schien fest zu liegen. – Aber noch nirgends, und am allerwenigsten unter dem Äquator (auf Sumatra, Java), hatte ich eine so drückende Hitze ausgestanden, so ohne alle Erfrischung und Abkühlung, als unter diesen nördlichen Breiten vom 15ten bis zum 30sten Grade auf dem rothen Meere.

Nach diesen, meist klimatographischen Bemerkungen, die ich vorausgeschickt habe, weil sie für die weite Landstrecke von Socotora bis Alexandria von allgemeiner Gültigkeit sind, verfolgen wir unsre Reise und kehren auf unser Schiff zurück.

Wir hatten auf dieser Fahrt seit dem 22sten Sept., an welchem Tage wir Ceylon verließen, um nach Arabien zu schiffen, kein Land mehr erblickt, und bekamen zuerst wieder etwas Festes, Trocknes zu sehen, als am 3ten October, des Mittags um 1 Uhr die Insel Socotora vor uns aus dem Meere auftauchte.

II. Von Arabien bis Alexandrien.

Wir befanden uns der östlichsten Spitze von Socotora um 1½ Uhr am 3ten October gegenüber. Wir fuhren bei west- zu nördlichem Cours an der Nordseite der Insel vorbei, die also zur Linken liegen blieb. Ihre Spitze stieg zackig-ausgesägt aus dem Meere empor, ging dann aber bald in den geraden Saum eines langhingezogenen Bergrückens über, der sich in der Richtung nach Norden wandartig steil herabsenkte. Die obern drei Viertheile dieser steilen nördlichen Böschung waren dunkel- und das untere Viertheil weißlich-, hellgefärbt, doch so, daß sich sowohl von dem obern Theile dunkle Streifen, die das Meeresufer nicht erreichten, herab-, als auch von dem untern Theile weißliche Streifen hinaufzogen, die sich bis zum Saume ausstreckten.

Indem wir zwischen 2 und 3 Uhr näher kamen, entfaltete sich diese verschiedene Beschaffenheit der Insel, die wir anfangs nur der Farbe nach hatten unterscheiden können, immer deutlicher vor unsern Blicken und wir erkannten allmählig, daß der dunkle obere Theil aus nackten Felsmassen und der helle untere nur aus losem Sand bestand. Der erste, der gewiß drei Viertel des Raumes einnahm, war umbragrau, mit einer schwachen rostbräunlichen Nüance und der letzte, der nur ein Viertel des uns sichtbaren Raumes betrug, war weißgrau von Farbe, in's Gelbliche spielend. Alles, was wir sahen, war vollkommen kahl, von aller Vegetation entblößt und hatte in seiner dunkel- und weißgestreiften Färbung, seiner eingerissenen Beschaffenheit, ein sonderbares, ödes, trauriges Ansehn, – mir um so fremder, da ich 13 Jahre lang ununterbrochen in der allerüppigsten Natur geweilt hatte, in einem Lande, wo alle Felsen, wo die Kraterschlünde selbst bewaldet sind! – Hier aber, auf dieser Insel, schien alles organische Leben erstorben zu sein, – todt und starr lag sie da – das Gesicht der Wüste blickte uns an.

Der obere Saum der Bergmasse schien ohngefähr 1000 Fuß hoch zu liegen. Er zog sich in einer geraden, ungekerbten Linie hin und senkte sich nach Norden bis auf die halbe Höhe der ganzen Insel oder noch tiefer, steil wie eine Mauer herab. Diese Mauer bildet mehr oder weniger deutliche Vorsprünge und ist offenbar der Bruchrand eines einseitig erhobenen neptunischen Gebirges, dessen parallele, oft horizontale oder nur schwach geneigte, zuweilen auch etwas gebogene Schichtung wir deutlich zu erkennen vermochten. Die Schichten, die von Ost nach West streichen, fallen also wahrscheinlich nach Süden ein, so daß das Gebirge von seinem höchsten Saume an eine nach Süden geneigte Platte bilden wird, ähnlich, wie das Gebirge und eine Küstengegend am rothen Meere, das wir in [Fig. 14] abgebildet haben. Obgleich die am meisten vorherrschende Farbe der Felswände graubraun (umbrabraun) ist, so kommen doch auch sowohl große weißliche Flecke, als auch deutlich begränzte parallele weiße Streifen dazwischen vor, die wahrscheinlich Bänke von Kalk oder hellgefärbten Mergeln oder Thonen sind und zwischen den übrigen dunkleren Schichten liegen. Das Eigenthümlichste dieses Landes aber sind die hellgefärbten Sandmassen, welche, durch ihre Bedeckung die Schichten oft ganz unsichtbar machend, an den Felswänden anliegen. Sie entspringen oftmals schon ganz oben am Saume als schmale, hervorstehende Leisten, laufen Stützen gleich herab, werden nach unten zu immer breiter und vereinigen sich zuletzt zu einem großen Ganzen, das als ein weißliches, sanft gesenktes Vorland – dünenartig – und abwechselnd bald nur den fünften, bald den vierten, bald den dritten Theil der gesammten Inselhöhe einnehmend, zwischen dem Meeresufer und dem Fuße der Felswand liegt. Sehr ähnlich sind viele Küstentheile der Halbinsel Sinai gestaltet, wie in [Fig. 13] abgebildet ist.

Der einspringende, weiter einwärtsliegende Raum der Felswände läuft demgemäß zwischen den breiter werdenden Sandrippen schmal nach unten zu und davon kommt es, daß man aus der Ferne dunkle Streifen sieht, die nach unten, – und helle, die nach oben schmäler werden. – Beim Anblick dieser ungeheuren Sandmassen, die den Fuß der Mauer bedecken und sich noch, als Leisten, hoch bis zu ihrem Saume hinanziehen, entstand bei mir die Frage: ist dieser Sand angeschwemmt oder angeweht? – wie können durch Ausspülung von Wasser solche Rippen gebildet werden in einem Lande, wo es fast niemals regnet? – gehört ihre Entstehung einer vorhistorischen – der Diluvialperiode – an? oder kann ihre Bildung der Wirkung des Windes allein zugeschrieben werden?