Jachl erschrickt nicht. Er will es abwischen, aber immer mehr, immer rascher fließt es ihm rot und warm über die Lippen. Die Augen fallen ihm zu: Heide, Luftschiff, Herde sind entschwunden. --

Eine Viertelstunde vergeht, da stößt etwas dem Jachl ans Bein. Noch kann er sich nicht bewegen. Seine Schnucken sind es, die über ihn dahinrennen, tripp -- tripp, hin und her, als gefalle es ihnen ganz besonders auf diesem unebenen Stück Heide. -- Wütend bellen Pitt und Pott. Ja, sie haben recht, sich über den Schäfer zu ärgern, der erst zu rasch lief, und der nun faul im Sande liegen bleibt. -- --

Endlich macht Jachl sich langsam auf den Weg. Wie weit ist er denn fort von seinem Stall? Er kann sich gar nicht zurecht finden. Recht hell ist es auch nicht mehr. Und auf den Beinen ist er ganz schwach. Er sucht Büsche und Stämme, an denen er sich halten kann. Immer wieder muß er verschnaufen. Den Schnucken fehlt ihr Stall nicht, aber heute fehlt er dem Hirten. Ausstrecken möchte der sich und sich warm zudecken und schlafen, nichts als schlafen. --

Nachtfalter taumeln durch die Luft. Fledermäuse huschen in den Wacholderbüschen. Sterne funkeln. Überall ist Licht und Lust trotz der Nachtzeit, die doch zum Schlafen vom lieben Herrgott eingerichtet ist, wie Jachl immer gemeint hat. Noch nie hat er draußen eine Nacht so ganz durchwacht. --

Langsam streicht im Osten Röte am Himmel empor. Jachl fällt auf einen Baumstumpf. Er muß eine Weile ausruhen; er kann nicht weiter.

Seine Gedanken sind ihm selbst fremd. Was wollen sie denn diese anderen Gedanken?

Erfahrene Leute nennen das Gefühl, welches dich, mein Jachl, in diesen Minuten beklemmt: Sehnsucht. Wie aber solltest du es kennen oder nennen?

Du fassest nur tief in deine inhaltsreiche Hosentasche und suchst, bis du etwas Eingewickeltes herausgefunden hast. Behutsam nimmst du ein Bild, siehst es an und versenkst es wieder zwischen Schlüsseln und Streichhölzern und Taschenmesser und Schere und Bindfaden und all den vielen andern Dingen, die du auch notwendig gebrauchst. --

Gegen 10 Uhr vormittags sieht Jachl endlich, endlich von weitem seinen Stall. In der Freude, wieder daheim zu sein, versinkt jedes andere Gefühl. Er ist sicher, daß das bißchen Bluten rasch vergessen sein wird, wenn er sich nur von dem wilden Lauf, warm zugedeckt, ausruhen kann. Das Zähneklappern kommt vom Frühwind und vom leeren Magen. Der Atem ist ihm ganz kurz geworden. --

Müde folgen die Schnucken den Hunden. Jachl lacht, wie eifrig manche von ihnen sich gleich wieder in die kleinen Kiefern vor dem Stall festbeißen. Wie sollen sie in die Höhe wachsen, die armen Kiefern, bei der Behandlung?