Rasch kocht er sich einen festen Buchweizenbrei; der tut gut! Dann wickelt er sich fest in seinen groben Schäfermantel. Einige Minuten später schallt lautes Schnarchen durch den Schnuckenstall. -- -- --
»Tee hilft immer«, hat der Ohm Jachl gelehrt. Bei schwacher Brust tut auch ausgebratenes Hundefett Wunder. Ob dies nun eigentlich »schwache Brust« ist? Jachl glaubt es. Zuerst versucht er eine Roggenbreikur. Der bräunliche Brei mit frischer Milch übergossen, ist nicht übel. Und »Fledersaft«, aus getrockneten Beeren des Flieders gepreßt, kann auch nicht von Schaden sein. --
»Bloß nich mit die Doktors anfangen.« So oft hat es der Jachl gehört, daß er »die Doktors« unmöglich Gelehrsamkeit zutrauen kann. --
Jagten die Schnucken ihren Schäfer nur nicht immer über Stock und Stein! Mit dem Laufen will's gar nicht wie früher werden. Auf sandverwehtem Heidewege kommt einer oft ins Stolpern, und gerade beim Stolpern sticht's dem Jachl immer in der Brust.
Geholfen haben ja Fliedersaft und Roggenbrei und Hundefett, ja, das haben sie, aber so recht ist dem Jachl doch noch nicht. --
Am liebsten hockt er und flicht Körbe, ja, sogar das bisher von ihm so verachtete »Knüttzeug« nimmt er zwischen die Finger. Lang sind die Finger und so weiß die Haut, als fühlten sie niemals die Sonne, die doch wahrlich genug auf ihnen gebrannt hat. -- -- --
Heide, du taufrische, braune Heide, die du melancholisch oder jubelnd dahinfließt, weißt du, daß du -- (ach, lächle nicht) Persönlichkeiten bildest? Du bist nicht ruhmgierig wie die große Stadt. Du biegst und zerrst nicht absichtlich an Tier und Pflanzen und Menschen. Du breitest nur deinen Himmel über sie -- unabsehbar weit; in deine große Stille nimmst du auf. In deine schimmernde Stille, und du lässest gewähren. Du mahnst ganz leise, daß es nicht lohnt (daß es vielleicht nur lächerlich ist) gewichtig auf etwas Großes loszustürmen, weil du weißt, wie klein auch das Große in der Nähe wird, wie es Farbe und Form verändert. Du prahlst nicht mit großen Zielen. Du verschwendest ganz einfach nur dich selbst, du einsame Schöne. Verschwendung ist deine Beredsamkeit, ist deine Bildnergabe, ist der Same, den du ausstreust.