Jachl, der nichts ist als der Scheper, als der Bauernjunge, ist dennoch vielleicht durch die Heide »auch einer« geworden! Nicht allein durch die Heide, aber mit ihrer Hilfe. Ja, das ist er! Ganz bestimmt! Er hat nicht nötig, sich vor einem Stadt-Lehrling oder vor einem Studenten oder vor einem Prinzen zu schämen, obwohl er doch nur eine blaugefärbte Leinenweste mit zwei Reihen blanker Knöpfe trägt und eine schirmlose Mütze, die aus der Haut eines jungen, schwarzen Schnuckenlammes genäht ist. Von Lackschuhen und gestickten Chemisetts und von all dem »Nötigen«, welches ja wohl ein junger Mann haben muß, ahnt er gar nichts. Aber -- nein -- verstecken braucht er sich doch nicht, mein Jachl. Besonders wegen seiner Gedanken, meine ich. Und Gedanken sind ja wohl die Hauptsache.

Woran Jachl eigentlich denkt? Nie an Großartiges, immer nur an Gewöhnliches; etwa an Vieh oder an Weide oder an Wollhandel oder an Torfstechen oder an Runkelrüben oder an Kleinknechte oder Großknechte und was dergleichen mehr ist, -- aber, ja, ein Aber ist dabei.

Welch ein Aber? Man muß es wohl fühlen, glaube ich. Zu erklären ist es kaum.

Gedanken haben auch ihren Schein und ihren Schimmer.

Vielleicht habe ich meinen Jachl nur so gern, weil ihm nie die Vorstellung kommt, daß es auf Erden Menschen gibt, die es viel, viel besser haben als er. Er läßt Dornen, Dornen sein und Rosen, Rosen; er sucht gar nicht immer nach den Bergen; er sieht viel Schönes auch im Tal. -- --


Lieschen hat in einem ihrer Briefe erklärt: »ein Schäfer, der immer nur auf der Heide rumsitzt, ist was Langweiliges«. Na, denn muß Jachl doch auch mal einen Sonntagstanz im nahen Kirchdorf probieren. Was sein muß, muß sein! Lieschen wird es wohl verstehen! Mädchen verstehen sich auf so was besser. -- Von Jachls mangelhafter Gesundheit weiß sie nichts. Wäre sie in seiner Nähe, so hätte sie ihn längst von sich und seinen Schnucken fortgelockt. Wie sang sie doch immer:

»Komm, tanz mit mir, tanz mit mir,
Ich hab' 'ne bunte Schürze für« -- --

und angesehen hat sie Jachl dabei immer! Nun sie fort ist, merkt er erst, was für eine Mordsdirn sie ist.

Frauensleute sind so schwer zu kennen wie Schnucken. Sie haben auch so was Unsicheres wie die. Man muß eigentlich auf beide den ganzen Tag aufpassen; plötzlich sind sie weg, wenn man auch noch so gut zu ihnen gewesen ist. Hat sich eine verlaufen, so weiß man auch nie, wie und wo man sie wieder zu sehen bekommt. --