Gelangweilt drückt Jachl sich von einem Platz auf den anderen. Längst ist er mit seinen Lieblingsgerichten durch. Er kann doch nicht immer weiter Rauchfleisch essen und Quetschkartoffeln mit ausgebratenem Speck und Weizenklöße mit getrockneten Zwetschen. -- Anfangs fallen ihm seine verlassenen Schnucken ein, bei denen hat er es doch am besten. Je mehr Branntwein er trinkt, je rascher laufen die Gedanken von den Schnucken fort zu Lieschen. Dideldumdei! Dideldumdei!

Niemand wirft besorgte Blicke auf meinen Jachl. Sein helles Haargestrüpp, das er so fein mit Wasser fest zusammengeklebt hatte, steht ihm längst wieder richtig hoch zu Berge. Das Halstuch hat er abgerissen, es hängt halb aus der Hosentasche hervor. Ihm ist heiß geworden und übel, gräßlich übel, und der Kopf schmerzt nicht wenig. Die schöne, rote Weste ist begossen, zwei ihrer Metallknöpfe hat er verloren. -- Keiner hat mit ihm Mitleid. Weshalb sollte auch hier einer mit einem großen Bauernjungen Mitleid haben, der halb betrunken ist? Solchen Luxus gewähren die Heidjer einander nicht. Mitleid hat man mit einem, der sich den Kopf blutig geschlagen hat; was sonst innen im Kopf schmerzt, darum kümmern sie sich gegenseitig nicht. --

Jachl bleibt wie ein Stück Holz in einem Winkel der Gaststube liegen. Er wird gezupft und gerufen, bis er die Augen aufreißt, so weit aufreißt, als ihm möglich. Gottes Donnerwetter! Wie brummt ihm der Schädel!

»Na, warte Lieschen, das nennst du Vergnügen?«

Vorsichtig stellt er sich auf die Beine. Er gibt sich einen derben Ruck. Vorwärts! Es geht! --


Der erste leichte Frost liegt auf der Heide. Nichts rührt sich über dem Moor. Ein wenig taumelt Jachl. Wohin sind bloß alle lustigen Vögel geflogen? Die frechen Meisen und die ängstlichen Goldhähnchen, der Buntspecht und der Reiher, die Drosseln und die fröhlichen Finken? Sie alle scheinen in Jachls Schädel zu rumoren. Gewiß wollten sie nichts mit dem kalten Nordostwind zu tun haben, der den Schäfer jetzt umpustet, und der ihn wieder lebendig macht, ihn fest aufrecht auf die Beine stellt. »Je, je,« stöhnt Jachl von Zeit zu Zeit vor sich hin, »is sowas Vergnügen?«

Wütend stampft er über das heut nacht ganz weiße Moor. Hart gefroren ist es noch nicht; man überschreitet es, als wäre man leicht gewiegt.

Groß und grau läuft Jachls Schatten neben ihm dahin. Eine Eichkatze springt über den Weg. Ehe er es noch richtig merkt, trabt er zwischen großen Flocken weiter. Der erste Schnee! Rasch, immer rascher fällt er herab. Nach einer Viertelstunde hat er jedem Baum und jedem Busch und jedem Hügel ein funkelnagelneues Gewand angezogen. Gar nicht zum Wiedererkennen sind sie. Jachl lacht. Breit und dick geworden sind alle miteinander. Ganz putzig sehen sie aus, Bäume beinah wie Berge. --

Kein Schritt des einsamen Wanderers schallt mehr in die Weite hinein; nur seine Fußtapfen sind zu sehen; zu hören ist nichts von Jachl. -- Vor einem kleinen Sumpf bleibt er einen Augenblick stehen. »Wie braunes Bier«, denkt er und schüttelt sich. Bier und Branntwein sind noch nicht aus Jachls Kopf heraus. Keinen Tropfen bringt er so rasch wieder über die Lippen. Das nimmt er sich vor.