In der weißen Stille ist sein Schnuckenstall schwer zu finden. Verschwunden scheint er zu sein, fortgehext. So genau der Schäfer auch Weg und Steg kennt, in dieser Nacht geht er in der Irre. Alles ist weiß; alles hat Form und Farben verändert. Vorsichtig tastet Jachl von einem Baum zum andern. Jetzt aber greift er ins Leere. Seine Hand faßt nur Luft. Er überlegt: Stehenzubleiben ist das Klügste. Und abzuwarten. Das Wetter hat sich ja immer wieder geändert, wird es auch in dieser Nacht. Wenn nicht in der Nacht, so doch am Morgen oder am Vormittage. Nur Geduld muß einer haben, dann kann ihm hierbei nichts passieren. --

Jachl weiß nicht, ist's der weiche Schnee, der nachgibt oder ist das Moor auf diesem Fleck noch so weich und schwankend. Schwankt der Jachl oder das Moor?

»'s wird noch immer der Kümmel sein«, entscheidet er selbst, geärgert über seine Vergnügungsreise. Er schwört, nie mehr eine zu machen, höchstens mal mit Lieschen; da paßt denn einer auf den andern auf.

Im Eifer des sich Gelobens merkt Jachl anfangs gar nicht, daß er bedenklich tiefer in das weiße Moor gerutscht ist. Bis über die Knie steckt er darin. Jähes Entsetzen packt ihn. Fürchterlich wird ihn zumute. Das Leben kommt ihm plötzlich so munter vor und der Tod so traurig.

»Nein -- nein -- nicht sterben,« schreit er, »nicht sterben«; ohne aufzuhören, gellend nur die beiden Worte -- kreischend -- brüllend, dann leiser, immer leiser werdend -- wimmernd »nicht sterben -- nicht sterben -- nicht -- sterben« --

Gleichgültig und lautlos fällt der dichte Schnee hernieder. --

Jachl kennt die Gefahr, in der er sich befindet. Rührt er sich, so geht's vielleicht noch rascher in die Tiefe. -- Heiße Lebensgier foltert ihn. Was tun? Was tun? In Todesangst fängt er plötzlich an zu flöten, so laut und schallend, wie er nie bisher im Leben geflötet hat. Vielleicht geht ein Mensch in der Frühe durch die Heide und lauscht und sucht, woher der Schall kommt. Jachl kann nicht mehr schreien, nicht mehr brüllen, nicht wimmern; all seine Kraft hat sich ins Flöten umgesetzt. Er flötet, er flötet, als sei das Aufhören sein sicherer Tod.

Am Moorgraben entlang gehen zwei Heidejäger durch die weiße Wüste. Erwartungsvoll halten sie Umschau. Sie lauschen. Sie stieren auf einen Punkt, und sie erkennen, daß da im Schnee etwas steckt, etwas, das man retten muß. Behutsam wagen sie sich näher heran. Sie halten dem Jachl einen langen, festen Speer hin, den sie bei sich tragen. Vorsichtig greift er zu, fest, ganz fest; dabei hört er nicht zu flöten auf. Ja, wahrhaftig: der Schäfer hat flötend dem Tode den Rücken gekehrt.