Kehrte Jachl dem Tode wirklich den Rücken? Sicher ist es nicht.

Zuerst hat der Viehdoktor den Kopf geschüttelt. Weshalb sollte der es nicht auch verstehen? »Vieh ist Vieh«, sagt er, wenn er mal statt eines Ochsen einen Knecht zu behandeln bekommt.

Monate sind seit Jachls Tanzreise vergangen. Längst lagert er wieder mit seinen Schnucken in der Sommerglut; längst schwätzen wieder allerlei Vögel im Schilf und in den Büschen.

Die Mücken sind ein wenig zu dreist gewesen. Sie haben einigen Schnucken große Wunden beigebracht. Vergeblich hat sie Jachl mit Teer und Wagenschmiere eingerieben. »Vielleicht haben giftige Schnaken das Unheil angerichtet«, denkt er. Gegen die kommt er wohl doch nicht allein an. Den Tierarzt muß er holen. Für ihn, den Schäfer, ist's wie halbe Schande. --

Komisch geht es wohl auf der Welt zu! Wohin wäre mein Jachl ohne den Tierdoktor gekommen? --

Stolz ist der Schäfer, daß der gelehrte Mann seine Herde lobt. Dem Erfahrenen sind die gut abgerichteten Hunde ein Beweis, daß er es mit keinem zu tun hat, der beschränkt oder nachlässig oder kenntnislos ist. Er würdigt Jachl langer, intimer Gespräche über Heidekrautweide und ihres Wertes für die Lämmer. Jachl antwortet wie ein alter Schäfer; er weiß, daß er hierbei mitreden kann. Aufs »Zufüttern« kommen sie und auf »Lebendgewicht«. Dabei sieht der Viehdoktor Jachl an und meint, »du hast nicht viel mehr wie deine beste Schnucke, sorg' lieber zuerst für dein eigen Lebendgewicht«.

Jachl ist in der Freude über das fachmännische Gespräch ganz erregt, seine Backen brennen. Das bißchen Husten hat er ganz vergessen. Der Viehdoktor aber denkt, als er davonfährt, »dem schick ich unsern Landarzt, der hat ihn nötig«.

Und er tut's.

So kommt es, daß Jachl, der doch nichts von »die Doktors« hält, ihnen in die Finger fällt. --

»Na, denn zieh dich mal aus«, sagt der Arzt freundlich.