Heute packt Jachl. Zuerst kommen alle alten Männer- und Frauentrachten aus des Ohms Truhe heraus, und dann kommen Jachls Schätze hinein. In den hochgewölbten Deckel der tannenen Truhe hat er die feinsten Bilder geklebt. Ein Jesusknäblein wird ihn jedesmal anlächeln, wenn er aus der Truhe etwas herausnimmt, und der feingepinselte Spruch, den Lieschen einst gleichgültig am Boden hat liegen lassen: »Fürchte dich nicht, glaube nur!« Nie hat Jachl über den Sinn der Worte nachgedacht, aber es kommt ihm vor, als könnte es gut für ihn sein, ihn mit auf die Reise zu nehmen. --

Auf das Gespann seines Dienstherrn ladet Jachl sein Gepäck. Er darf nicht, wie er wollte, es allein schleppen. Ganz streng hat es der Doktor verboten. Seitdem er krank sein soll, reden sie ihm in alles rein. Jachl war das gar nicht gewöhnt. Seinen Schnucken war doch alles recht. Was soll man aber dabei tun?

Am letzten Abend haben sich die Schnucken wie immer um ihren Schäfer gedrängt. Jachl klopft und streichelt jede besonders freundschaftlich. Keine merkt etwas von dem Verlust, der ihr bevorsteht. Überhaupt, keiner ist da, von dem Jachl wirklich Abschied zu nehmen hat mit Küssen und Drücken, bevor er auf den Wagen klettert. Und doch drehte er am liebsten wieder um, nachdem er ein Stückchen zugefahren ist. Aber er weiß, hier ist seines Bleibens nun nicht mehr. Was hätte Umkehren für Sinn?

Er heult ein bißchen, wirklich nur ein bißchen, als er nichts mehr von Jochem und den Schnucken sieht.

Zuletzt, ehe der Leiterwagen in die Stadt rasselt, sieht Jachl, wie ein Dummerjan, nur in die Höhe, immer in den Himmel, grad' wie damals, als er wie besessen nach dem Luftschiff sah. Er fühlt plötzlich, von wem er jetzt Abschied zu nehmen hat: vom Himmel! Ja, wie sie auch mit Berlin prahlen mögen, so viel Himmel wie hier kriegt er nun nicht mehr zu sehen. So viel Himmel haben sie da nicht. So viel Himmel können sie sich für all ihr Geld nicht kaufen. --

Noch in der Eisenbahn drängt Jachl sich vor, steckt den Kopf so weit als möglich heraus und sieht hoch nur in den Himmel. Nachher wischt er etwas Feuchtes aus den Augen. -- --


Ich will hier gleich berichten, daß sich mein Jachl, obwohl er ungeschickt und unerfahren ist, in dem neuen Leben nicht wie ein Dümmling anstellt. Er merkt rasch, sein Heideverstand gilt schon auf der Reise nicht mehr viel.

So unterschiedlich hat er sich die Menschen doch nicht vorgestellt! Welche, die in die vornehmste Klasse steigen, sehen ganz komisch aus mit all dem Zeug, was sie auf'm Leib tragen. Müssen die viel Geld haben! So viel Geld kann sich Jachl gar nicht vorstellen. Warum kaufen sie aber nicht mehr Zeug für ihre Röcke? Sie sind doch viel zu eng; ganz ausgewachsen sehen sie aus, grad' so wie Jachl in seinem Anzug. Und was schleppen sie nicht alles an sich herum, was schwer sein muß, besonders auf'm Kopf.

Auch die in der IV. Klasse sind anders wie Leute in Lüttersloh, aber ganz so schlimm wie die Feinen sind sie nicht. Je länger Jachl reist, je mehr anders werden sie.