So oft der Zug hält, glaubt er: das ist Berlin! Jede Stadt kommt ihm beklemmend groß vor mit ihren vielen Schornsteinen, mit Soldaten und Droschken und Straßenbahnen. Noch größer und höher soll ja aber Berlin sein.

Endlich, endlich, Gott sei Dank, ist es da.

»Berlin! Alles aussteigen«, ruft der Schaffner um 6 Uhr 1 Minute frühmorgens.

Jachl folgt seinen Bahngenossen. Er läßt sich bis zur Sperre mit durchschieben. Draußen studiert er nochmals den Zettel, auf dem ihm die Weiterfahrt genau aufgeschrieben ist. -- Einige Stunden muß er sich wohl Berlin ansehen. Das geht doch nun nicht anders. Wird das eine Arbeit sein!

Mit dem wenig Himmel -- er sieht es gleich -- das stimmt! Solch Gewimmel ist immer zwischen den hohen Häusern, wie wenn Schnucken sich zusammendrängen. Jachl kommt es immer so vor, -- er weiß wohl, das ist nur Dummheit von ihm -- als wackelten die Häuser mit den vielen, vielen Fenstern. Vor einem Fleischerladen bleibt er stehen. Die Hammel, die er prüfend betrachtet, sind das erste Vernünftige, was er in Berlin sieht. Am liebsten rührte er sich hier nicht vom Fleck. Der Lärm der Straße ist ja, wie wenn immerfort Gewitter wäre.

Was haben die Leute bloß alles erfunden! Und wie halten so viele es aus! Wenn Jachl zu Hause über das Feld geht, dann weiß er doch, ihm kann nichts passieren, aber hier mögen wohl jeden Tag welche ums Leben kommen. Das kommt nur von dem vielen Erfinden. Wozu ist das nötig? Jachl hat zwar seinen Husten, aber sonst sind doch die meisten stärker und gesunder, die gar nichts mit Berlin und all seiner Erfinderei zu tun haben. Dazu haben sie solche Eile; alle rennen immer so, wie Jachl mal ausnahmsweise hinter einer verlaufenen Schnucke. Ja, das Laufen haben sie raus. Einer sieht nicht nach dem andern. Wie kann es hier Lieschen so gefallen?

In Hamburg ist sie nicht lange geblieben. Freiwillig fuhr sie nach Berlin.

Jachl weiß, daß es viel auf der Welt gibt, wobei er nicht mitreden kann, aber wundern kann er sich. Das darf ihm keiner wehren. Also tüchtig wundert er sich mal zuerst darüber, daß ein Mensch freiwillig nach Berlin reisen kann.

Ordentlich leichter wird ihm während des Wunderns. Beinahe wie Verachtung ist es. Doch das unterscheidet mein Jachl nicht. --

Obwohl ihm der Magen knurrt, tritt er nicht in eine Kneipe ein. Er wagt es nicht. Lieber hungern und dursten.