Von seiner Krankheit wissen die Ärzte wohl mehr als er selbst. Hin und wieder mal ein bißchen Husten. Das ist doch nicht Krankheit?
Die Gartenarbeit bringt all sein Denken zurück zu seinen Schnucken und zu Lieschen. Die Heide, die Schnucken und Lieschen kommen immer bei ihm dicht zusammen.
Lieschen ist doch seine Freundin; vielleicht sollte er sie nur ein bißchen daran erinnern. Vor Ostern schreibt er ihr deshalb:
»Liebes Lieschen, wenn Du nicht kommst, reise ich zu Dir. Erlauben werden sie es hier jetzt bald. Komme doch an einem Feiertag. Ich bin bald gesund. Vielleicht mache ich auch nach Berlin, aber zuerst will ich doch mal nach meinen Schnucken sehen. Ich schicke Dir das Reisegeld; so viel kann ich noch an Dich wenden. Ich stehe am ersten Feiertag am Gitter und warte und am zweiten wieder und am dritten auch wieder. Dein alter Jachl.«
Zu den meisten von den »Großen« kommt eine Braut. Jachl ist entschlossen, mit Lieschen die Sache mal zu bereden. Sein Mut wird täglich größer; bloß kommen muß sie, dann wird die Sache schon werden. --
Besuchsstunde! Sonnenschein! Feiertag! Noch viel mehr Gutes ist den kleinen und großen Menschen in der Heilstätte kaum beschieden. --
Jachl steht pünktlich am Zaun. Ein Veilchensträußchen dreht er in der heißen Hand. Mit ihm warten Scharen von Leuten auf die Besucher. --
Wie gut es die Kranken auch haben mögen, immer fühlen sie sich als Verbannte, fern dem flutenden Lebensgetriebe. Zank und Streit zwischen Angehörigen hat hier aufgehört; ein Gefühl verbindet die Besucher und ihre Erkrankten: Liebe.
Heute strömen besonders viele im Sonnenschein der Heilstätte zu. Jachls scharfer Blick irrt suchend umher: dort die Eine könnte es sein. Genau weiß er es nicht. Die städtische Kleidung macht die Menschen ganz anders. Er sucht weiter und sieht doch rasch wieder zurück. Sein Herz klopft wie ein Hammer. --