Das Fräulein im grauen Paletot, das ihm bekannt vorkam, tritt mit durch die Pforte. Zögernd hält es Umschau. --

So groß war Lieschen nicht; sie kann ja aber noch gewachsen sein. Also los: »Fräulein« --

Das Fräulein bleibt stehen.

»Wäre sie es doch nicht«, denkt Jachl eine Sekunde lang, aber schon fragt eine bekannte Stimme: »Wo finde ich hier Herrn Bohn?«

Gott, Gott! Jachl kann nur stottern. Da lacht das Fräulein und sagt: »Ich war wohl blind, daß ich -- ich -- (sie bekommt das: »Du« auch nicht leicht über die Lippen) -- daß ich Sie, nein, daß ich Dich nicht gleich erkannte.«

So rasch faßt Jachl sich nicht. Verlegen steht er da, so verlegen, als wäre er nur noch der Schäfer und hätte Berlin und die Heilstätte nie gesehen.

Aber reden muß man, wenn einer zu Besuch kommt! Was nur, was?! Jachl hat sich doch vorgenommen zu zeigen, wie viel er hier gelernt hat. Nun benimmt er sich recht wie ein ganz dummer Bauer! Ja, die Herren in Berlin werden wohl anders reden können! Lieschen fängt aber auch gar nicht an mit Erzählen! So war sie doch früher nicht! Sie hat doch sonst immer das Wort geführt. -- --

Weshalb Lieschen nicht redet?

Wenn Jachl nicht blind ist, muß er »es« doch merken. Bei dem Gedanken wird ihr glühend heiß. Was gäbe sie darum, wenn ihr »das« nicht passiert wäre! In diesen Augenblicken ist für sie das große Berlin versunken. Sie hat Jachl ja nie vergessen, aber es gibt da zu viele Herren und zu viele Tanzlokale und zu viele Warenhäuser, in denen Sachen ausgestellt sind, die man haben möchte!

Dunkel empfindet sie: sie ist ja gar nicht mehr das Lieschen, welches mit Jachl gemeinsam den Reisekorb vor Jahren zum Bahnhof schleppte. --