Zuerst nach der Ankunft hat Jachl Lieschen stolz durch die Heilstätte geführt. All die vorzüglichen Einrichtungen soll sie bewundern, und dabei will Jachl den andern zeigen, daß auch zu ihm Besuch kommen kann. Weshalb sollte gerade zu ihm niemand kommen? --

Nachdem Lieschen alles gesehen hat, schlägt Jachl einen Spaziergang vor. Lange reden sie darauf vom Wetter; wie schön der April und wie die Heide jetzt wohl aussehen mag. Immer aber ist es, als ob etwas Schweres auf Jachl läge. Am liebsten finge er an zu heulen. Das wäre doch aber eine furchtbare Schande.

Lieschen wischt immerfort mit dem Taschentuch über ihr Gesicht. Ihr ist glühend heiß, nicht nur weil die Sonne so wärmt, sondern weil innere Angst ihr Schweißtropfen erpreßt. --

Jachl fragt nach ihrem Dienst, und wo sie Sonntags immer hingehe, aber er hört gar nicht, was sie antwortet. Wie macht er es bloß, daß er ihr gefällt? Wie wird er Bräutigam?

Allmählich fängt Lieschen an, mitteilsamer zu werden. Durch viel reden möchte sie ihre innere Verwirrung verdecken.

Sie merkt wohl, daß Jachl etwas überlegt, und daß seine Gedanken nicht hier und nicht in Berlin sind. Sie weiß selbst nicht, was sie herausschwatzt von Konzert-Cafés und Kino und Landpartien und Tanzvergnügungen und von all dem dummen Zeug, das mit daran schuld ist, daß es soweit mit ihr gekommen ist. Jachl nickt beinah ebenso mechanisch wie der Ohm damals, als er ihm seine ersten Schulabenteuer erzählte.

Ja, die Herren in Berlin sind klüger als die aus Lüttersloh. Die wissen besser, wie sie rasch zu einer Braut kommen. Jachl ist nur von einem Gedanken erfüllt. Immer und immer summen die Worte in ihm: »Alles hängt von Lieschen ab -- alles hängt von Lieschen ab« -- --

Wie er das meint, könnte er selber nicht erklären. Denkt er dabei nur an diesen Augenblick oder an sein ganzes Leben? --

Er möchte gern nach des Mädchens Hand greifen, angefaßt mit ihr gehen -- nur angefaßt. Ob er wohl solche Tat zustande bringt? Solche Tat könnte ja wohl einen Brautstand beginnen? Wenn er doch rasch den kleinen Maler um Rat fragen könnte.

Von winzigen Knöspchen sind die schwärzlichen jungen Zweige besät, neben denen sie dahin schlendern. Lieschen bleibt stehen und sucht, ob sie nicht einen Zweig findet, dessen Grün bereits etwas größer ist. Den möchte sie dann mit nach Haus nehmen. »Zum Andenken«, wie sie sagt. Ein paar Augenblicke sehen beide in die Büsche, dann holt Jachl sein Messer aus der Tasche, schneidet ein paar herrliche, frühlingsfrische Zweige und reicht sie Lieschen. Ja, er reicht sie ihr und -- mutvoll hält er ihre Hand ganz fest. Und nun gehen sie wirklich noch eine halbe Stunde, wie zwei artige Kinder angefaßt, ihres Weges. Manchmal sieht Jachl sich um. Er weiß nicht, wünscht er, daß andere ihn sehen oder wünscht er es nicht. --