Ob wohl viele Menschen so lächelnd ihrer Welt Untergang erleben, ihn so heiter wie ich überleben? Oder ist auch dieser Untergang nur Schein? Könnte auch er nur Station sein? Zu oft noch falle ich in den Kreis jener Vorstellungen zurück, von denen ich mich, seitdem ich Dich liebe, schon hundertmal für immer entfernt zu haben wähnte.

Jetzt erfüllt mich oft nichts als das Verlangen, mich wie ein Kind schluchzend über den Schoß einer Mutter beugen zu dürfen.

Da siehst Du, Geliebter, wie es um meine Abgeklärtheit bestellt ist. Wie wenig bin ich. Oder wuchs ich dennoch vielleicht durch das große Gefühl für Dich?

Deine Maria.

[ Roland an Maria.]

Maria, immer bin ich jetzt in einem leichten Taumel; oft, vielleicht zu oft von diesem Feuerlicht geblendet, das zwischen Dir und meiner Schaffenstrunkenheit hin und her zu flammen scheint. Immer ringe ich mit „Ereignissen der Seele“, die ich niemandem schildern könnte, — auch nicht einer Maria. Ich komme mir wie das Werkzeug vor, das gestalten muß, was der „unbekannte Gott“ in ihm entfachte. Und doch muß ich „mich selber erst los werden“, muß jene Ereignisse aus mir heraus geschleudert haben, um mich von all der seligen Unwirklichkeit lösen zu können. Aber nein, nein, verzeihe, geliebte Frau, die einzige selige Unwirklichkeit erlebte ich durch Dich, danke ich Dir, Du mein holdes Verhängnis.

In den letzten Tagen überfiel mich sekundenlang die Vorstellung, ein Wirbelwind könne mich Dir, in eine andere Wirklichkeit hinein, entreißen. Aber — nicht wahr — ein so elementarer Orkan wäre auf dieser Erde unmöglich? Wie kann ich Dir nur solche Torheit beichten? Erinnere Dich, was ich war, als Du mich das erste Mal sahst! Schmerz und Erregung und unbestimmte, glückverheißende Erwartung trieben mich Dir zu, und jedesmal fliege ich mit den gleichen Empfindungen Dir entgegen. Du siehst, es war nicht nur „momentane Begeisterung“, deren Du mich anfangs beschuldigtest. Ich will Dir nie entkommen, nie. Und doch konnte diese zweite unvermutete Wonne sich über mich ergießen, die mir auch eine unermeßliche Fülle von Glück geschenkt hat. Begeisterung muß lange schon in mir „aufgestapelt“ gewesen sein, bevor Du kamst und mit Dir das fröhliche Sehnen.

Nichts soll nun in meinem Leben dahinwelken, ohne Frucht getragen zu haben, deß sei gewiß! Ob ich je etwas tun könnte, etwas denken, was Du — ganz einfach sei es gesagt — nicht von mir geglaubt hättest?

Verjage den einsamen Hochmut, der jetzt zuweilen wie Unkraut jäh in mir aufsprießt. Oder sollte auch er eine Bedeutung haben, die ich jetzt noch nicht ermesse?

Meine heutige Sprunghaftigkeit bedarf der Erklärung. Ich hätte in meiner Arbeit fortfahren sollen, weil ich ganz in sie versunken schien; und doch fühlte ich mich nicht minder stark zu Dir gezwungen. Du siehst in meinen Versen heute das unzulängliche Ergebnis dieses Zwiespalts.