Sie ließ in allen üblichen Landessprachen Broschüren schreiben, drucken und unter das Volk ausstreuen, um Belehrung über die Baumwollcultur, die Wahl des dazu tauglichen Bodens, die Bestellung der Felder, der Aussaat, die Pflege der Pflanze, über die Ernte und den Gebrauch der Maschinen zu verbreiten.

Sie selbst ließ Maschinen als Modelle für die Ackerbauer und die Fabrikanten kommen, und die, welche die Privaten einführen, befreit sie von jeder Zollpflichtigkeit.

Sie reducirt den Ausgangszoll der jetzt so sehr verfeinerten Baumwolle auf den Werth der früher viel weniger guten und auch diese Gewährung mit zehnjähriger Giltigkeit.

Sie hat endlich an allen Hauptproductionsorten Commissionen aus Eingebornen und Fremden mit dem Auftrage eingesetzt, die wirksamsten Mittel zur Förderung der Baumwollcultur zu finden und vorzuschlagen.

So haben sich staatliche und privatliche Bemühungen die Hände gereicht. Ihren Erfolg erzählt das letzte Capitel der Geschichte kleinasiatischer Baumwollcultur mit den Zahlen, die ich hier im Folgenden gebe:

1861, wo nach langem Winterschlafe die ersten Wiederbelebungsversuche gemacht wurden, betrug die türkische Baumwollproduction nicht mehr als 171.000 Ctr. im Werthe von ungefähr 1,300.000 Pfd. Sterling. 1863 brachte sie schon 890.000 Ctr., und in diesem Jahre 1864 erwartet man wenigstens 2,000.000 Ctr. und blos für die Ausfuhr einen Werth von 15 Mill. Pfd. Sterl. In diesen summarischen Zahlen steht unter den einzelnen Posten die Ausfuhr von Smyrna als der überraschendste Erfolg da; 1860 nicht mehr als 42.750 Ctr., war sie 1863 300.000 Ctr. und wird sie in diesem Jahre 500.000 Ctr. im Werthe von 4 Mill. Pfd. Sterl. sein. In Macedonien bestand 1861 keine Production; 1863 führte sein Hafen Salonik 125.468 Ctr. und der andere, Kawala, 13.784 Centner Baumwolle aus. Ebenso bedeutend ist die Entwickelung in Syrien. Nur in Rhodus, dessen Erde die ersten Versuche der Cotton supply association als sehr geeignet zur Baumwollproduction erwiesen hatten, verfällt sie, weil Hände zu ihrer Bestellung fehlen.

Die Productionszahlen der Jahre 1861 und 1864 nebeneinander gestellt, 171.000 Ctr. Baumwolle neben 2 Millionen Ctr., zeigt das einen Fortschritt, der in drei Jahren die Production verzwanzigfacht hat, und der seines Gleichen nur bei der ägyptischen Baumwollproduction findet, die 1860 für 2,770.000 Francs, 1863 für 234 Mill. Frcs. und in diesem Jahre für wenigstens 400 Mill. Frcs. ausführt, denn selbst Amerika, das Land der Sieben-Meilenstiefel, kann nichts Aehnliches daneben setzen.

Auch in Oesterreich nahm die Regierung die Einführung der Baumwollproduction unter ihre Pläne auf. Bis heute sind aber im Banate und in Dalmatien nur jene Stauden gepflanzt worden, durch welche versuchsweise die Tauglichkeit des Bodens und des Klimas bewiesen worden ist. Desto ansehnlicher sind die Resultate, welche durch diese Proben für die Archive erreicht wurden; Handelskammern, Bezirksämter und Statthaltereien haben ihnen und den Aktenwürmern mit „erleuchteten Gutachten“ und „gefälligen Meinungsäußerungen“ ein reichliches Futter geliefert. Ueber die Möglichkeit oder Unmöglichkeit, die Nützlichkeit oder Schädlichkeit einer dalmatinischen Baumwollcultur sind alle Zweifel gehört und entschieden worden. Daß dem armen Dalmatiner damit eine neue Erwerbs-, dem Staate eine neue Steuerquelle flüssig gemacht werden könne, gestanden die meisten Federn zu; aber gethan ist darum nichts worden. Jedes Jahr schloß mit der Ausrede ab, daß es zu spät war, um mit der Ausführung der Absichten zu beginnen. Das muß überall so sein, wo statt der Willenskraft eines egoistischen Interesses die Uneigennützigkeit einer Maschine eingestellt ist. In der Türkei ist das Räderwerk nicht immer so gut geschmiert, auch nicht so künstlich construirt wie bei uns und es bleibt mehr dem Willen und der Einsicht des Leitenden überlassen, so daß, wenn dieser faul ist, allerdings überhaupt nichts geschieht, aber auch das allgemeine Interesse nicht durch das geistlose Weiterarbeiten rein mechanischer Kräfte geschädigt wird; wenn aber der Machtbegabte geistig stark und willenskräftig ist, dann werden auch die staatlichen Dinge mit jener ausschließlichen Rücksichtnahme auf praktische Vortheile gethan, welche sonst nur den Bestrebungen des Privatlebens eigen ist. Unsere Amtsleute halten indeß immer die Theile in der Hand, lassen auch nicht ab sie zu kutschiren, es fehlt ihnen leider nur oft das geistige Band.

Ich will übrigens nicht behaupten, daß der Verlust, der Oesterreich durch diese Verzögerung wird, ein sehr schwerer sei, weil ich nicht daran glaube, daß die Baumwolle in Oesterreich eine glückliche Heimath finden werde. Ich wollte nur an einem Beispiele zeigen, wie unsere officiellen Schreibstuben die Volkswirthschaft betreiben, und wie nicht alles Türkische schlechter als das Europäische sei. Wer so wie ich eben erst von dorten kömmt, die Mängel der Heimath immer erkannt und auch noch frisch im Gedächtnisse hat, so daß er nicht den selbst erfundenen Maßstab eingebildeter Vollkommenheit mitbringt, der wird gewöhnlich dieses günstigere Urtheil für die fremden Dinge haben. Mir will es scheinen, daß er damit nicht nur der Billigkeit, sondern auch der Wahrheit näher stehe als diejenigen, welche bei ihrer Kritik die längere Bekanntschaft der Dinge ihm voraus, aber vielleicht auch den Nachtheil haben, die Uebelstände ihrer ehemaligen Heimath zu vergessen, und alles was hinter ihnen liegt als rosige Felder des Blühens und Gedeihens zu betrachten. Dazu neigt die Natur des Menschen. Mit der Gegenwart immer unzufrieden und auch von der Hoffnung nur selten völlig getröstet, weil selbst der Leichtsinnigste die Zweifel der Ungewißheit nicht ganz überwindet, vergoldet er sich die Erinnerung um so verschwenderischer, damit er wenigstens ein Feld habe, sich Blumen für die steinige Wanderung des Lebens zu pflücken. Denn selbst das Unangenehme, das ihm dort erzählt wird, klingt eben, weil es von dem Siegerbewußtsein des Ueberstandenen begleitet ist, versöhnlich und trostreich. Die Wehmuth, und sie ist ja dieses schmerzliche Fühlen der Erinnerung, wird die blasse Rose in diesem Blumenstrauße, die weit aufgeblüht und dem Entblättern nahe immer noch sticht aber auch durch balsamisch lindernden Wohlgeruch heilt.

Ich mußte meine europäischen Landsleute, die hier in den Diensten der Türkei leben, an die vielen Unerträglichkeiten ihrer früheren Vaterländer erinnern, und wie sie ja gerade durch den Kampf mit diesen in das Exil getrieben worden seien, um ihr Urtheil über die türkische Regierung gerechter und ihre Klagen über das Traurige ihrer Lage weniger unzufrieden zu machen. Es war das große Wort des großen deutschen Dichters Franz Bacherl, den ich blos um dieses Einen willen unter die Ersten unseres Stammes reihe, das ich ihnen zurief: