In Zahlen ausgedrückt stellt das ein Stück der letzten Geschichte der Baumwollcultur dar. Die österreichische Einfuhr hängt mit der Production des Orients zusammen. Je mehr jene den Seeweg wählt, desto ergiebiger entwickelt sich diese. Dem österreichischen Consumo lieferte 1861

die Türkei nur  9.533 Ctr.,
Aegypten 31.456  „
der gesammte Orient also 40.989 Ctr. Baumwolle.

Das war nur der fünfte Theil der österreichischen Seeeinfuhr und der einundzwanzigste der ganzen österreichischen Einfuhr.

1862 lieferte:
die Türkei 20.592 Ctr.,
Aegypten 31.850  „
der Orient also 52.442 Ctr. Baumwolle.

Das war mehr als die Hälfte der österreichischen Seeeinfuhr und der siebente Theil der ganzen österreichischen Baumwolleinfuhr.

1863 lieferte:
die Türkei 20.598 Ctr.,
Aegypten 55.847  „
der Orient 76.445 Ctr. Baumwolle.

Das war beinahe die ganze österreichische Seeeinfuhr und der vierte Theil der gesammten österreichischen Baumwolleinfuhr.

Das sind erfreuliche Resultate, die auch nach dem Vergleiche mit dem, was die anderen Hauptbaumwollen-Consumenten von der Türkei bezogen haben, ansehnliche bleiben. Denn England hat 1862 nicht mehr als 37.334 Centner und Frankreich 77.270 Ctr. türkische Baumwolle gekauft, das läßt hoffen, daß der österreichische Handel sich endlich wieder in seine natürlichen ihm nächstliegenden Wege finden und sie fleißiger benutzen werde. Es kann nur mit dem besten Erfolge für die österreichische Schifffahrt, die Kaufmannschaft und die Industrie geschehen, denn endlich müssen solche Bezüge türkischer Rohproducte durch österreichische Waaren bezahlt werden. Und so hat denn wirklich auch Oesterreich den dritten Theil seiner ganzen Baumwollwaaren-Ausfuhr der Türkei verkauft; an kein anderes Land auch nur annähernd so viel. Diesen auswärtigen Absatz zu vermehren liegt ganz im freien Belieben und Fleiße der österreichischen Producenten, der allerdings im Genusse eines sicheren und einbringlichen inländischen Marktes kein allzu williger und angestrengter ist. Aufmerksam muß ich auch machen, daß Oesterreich ebensoviel Gelegenheit und Veranlassung habe wie seinem eigenen Consumo, so dem Süddeutschlands und der Schweiz die Baumwolle zu liefern. In diesem Zwischenverkehre könnten seine Rheder, seine Handelsleute, und selbst seine Industriellen, denn auch diese Bezüge könnten der Türkei mit österreichischen Producten bezahlt werden, schöne Gewinne verdienen. Allerdings ist auch hierzu wieder die direkte und kürzeste von Triest durch Tirol zum Bodensee hinführende Eisenbahn Bedingung. Sie würde dort die fabriksreichsten Cantone: Glarus, St. Gallen, Appenzell, Zürich und selbst Basel zu Hinterländern des adriatischen Meeres machen. So lange diese Bahn nicht ist, werden die Schweiz und Süddeutschland fortwährend Marseille als ihren Einfuhrshafen halten. Ein neuer Grund, wie ich einen schon neulich bei dem Seidenhandel gefunden, daß die österreichische Regierung ihrem Handelsstande gegenüber diesen Gefälligkeitsdienst thue.

An Bord des Dampfers „Brussa“, 4. Juni, Mitternacht.