Ein kleiner Porticus, getragen von zwei alten Säulen, führt in den Friedhof, der hier ausnahmsweise vor der Moschee liegt. Die Gräber zu beiden Seiten liegen höher als der Weg. Frisches Grün sproßt dazwischen, und Rosen ranken sich darüber. In dem Marmorpflaster des Weges fand ich einen Stein, der das Monogramm trägt:

Vor dem Baue der Basilika in ihrer ganzen Breite öffnet sich eine freie Halle. Vier Säulen korinthischer Ordnung mit reichem aber geschmacklosem Capitäl tragen ihre Decke. Gesimse mit Verzierungen desselben Styles treten überall aus der Tünche hervor. Zwei Bogen trennen die Vorhalle in drei Abtheilungen; heute ist nur noch die linke offen, die rechte zugemauert. Aus jeder scheint ehemals eine Thüre in das Innere geführt zu haben, also im Ganzen ihrer drei; auch davon ist nur noch eine, die mittlere, übrig. Das Innere ist lang, breit und hoch und durchaus im glücklichen Zusammenstimmen der einzelnen Theile. Zu klein zum Ganzen ist nur die heutige Apsis. Steht sie auch genau an der Stelle der früheren, so daß der Mihrab schief in sie gestellt werden mußte, so halte ich sie doch für ein Flickwerk der Türken. Das Mittelschiff wird auf beiden Seiten durch eine Säulenreihe von den Seitengängen getrennt. Ueber diesen Gängen und auf den Säulen ruhend liegen offene Galerien. Kleinere und enger zusammengeschobene Säulen zäunen diese ein und stützen die flache Decke; die beiden Seitenschiffe sind an ihrem Kopfende durch flache Wände, nicht durch Nischen, wie das sonst wohl üblich, geschlossen. Die Thüren, die ehemals dort offen waren, und die Karniese darüber sind heute zu- und eingemauert; ebenso die fünf Bogenfenster, welche einmal durch jede der beiden Langwände das Licht gaben. Unter ihnen treten neun Tragpfeiler aus der Wand hervor, vermuthlich um das Gebälke oder doch um querüber verbindende Balken zu tragen. Von den 14 Säulen, je sieben auf beiden Seiten des Mittelschiffes, sind sechsen die prachtvollen Schäfte aus Verde antico übrig geblieben; den anderen achten sind sie aus Mauerwerk, aus Tünche und aus grüner und weißer Farbe nachgemacht worden. Und aus demselben Stoffe hat man auch jenen sechsen wohlerhaltenen die prachtvollen Capitäle mit einer Maske verkleistert, um sie dem rohen Kopfputze der acht anderen Schwestern ähnlich zu machen. Es fehlte den Späteren das Geschick und die Liebe der Kunst, sich zur Fertigkeit der Früheren zu erheben, und so degradirten sie die Vergangenheit zu dem Ungeschmacke der Neuzeit. Die Säulen der Galerien oben sind aus Holz und ganz jung.

Wie alle Moscheen ist auch diese rein gehalten. Hügel umgeben sie, wohl Gräber des einstmals Gewesenen, und Saatfelder ziehen sich darüber.

Hinter der Kirche, dem Meere zu und wo der Blick darauf frei und unbegrenzt ist, fand ich eine unterirdische Capelle und daneben eine Cisterne. Zwei starke Säulen tragen das Gewölbe der Ersteren, drei Nischen schließen sie; sie ist breiter als tief; ihr Mauerwerk einfach und alt. In der Cisterne sind die Säulencapitäle in Blumenformen gestaltet. Nicht weit von diesen unterirdischen Bauten ist ein Ziehbrunnen in die Erde eingelassen. Ein Stein, den ich hinabwarf, verrieth nur wenig Wasser darinnen, aber ansehnliche Tiefe. Zwei starke Feigenbäume wachsen aus seiner Mündung hervor mit dichtem Blätterschmucke und wilden Früchten. Alles um dieses Gemäuer haben Bäume, Schlinggewächse und Blumen malerisch geziert, und weiter hinaus über die Mauern weg schaut das Auge die blaue See, Schiffe, welche der Einfahrt in den Bosporus harren, und links hin die Prinzeninseln.

Auf dem Rückwege nach Psamatia Kapu fand ich in der Straße, die eine weite Strecke mit dem Ufer in gleicher Richtung läuft, nur durch die Stadtmauer von ihm geschieden, Säulenschäfte und ein mächtiges Capitäl, das byzantinische Kreuz darauf. Sie liegen herren- und dienstlos, zeigen aber, was ehemals hier gestanden haben muß. Die Straßen waren leer, wie ausgestorben, ein furchtsamer Hund das einzige Lebende, welches ich begegnete. So förderte Alles die Stimmung schwermuthsvoller Betrachtung.

Constantinopel, den 12. Juni, Sonntag.

Gewöhnlich suchen die Fremden drüben in Skutari den Gottesdienst der von ihnen sogenannten heulenden Derwische kennen zu lernen. Es ist dort ein Tekke schon in Erwartung solcher Besuche hergerichtet, und man befindet sich wie in einem europäischen Theater des bloßen Zuschauens wegen. Ich begehrte heute nach einem anderen, von jeder Europäisirung möglichst abgelegenen Bruderschaftshause geführt zu werden. So kamen wir nach Kaßim Pascha, einer der ärmlichsten unter den vielen elenden Vorstädten dieser kaiserlich schönen über zwei Erdtheile ausgespannten Weltstadt. Neben Pera liegt Kaßim Pascha auf demselben Ufer des goldenen Hornes. In dem ersten Tekke, wo wir Einlaß begehrten, waren die Uebungen schon zu Ende. Es liegt in einem Garten anmuthig hinter Rosenhecken versteckt, ein dürftiger kleiner Holzbau. Der einzige Derwisch, der noch zu Hause war, saß in einer Laube, in einen weißen Kaftan gehüllt und so in die Träumereien seiner gottesdienstlichen Betrachtungen oder seines Nargileh’s versunken, daß es einer Weile bedurfte, bis wir von ihm die Auskunft erhielten, wo allenfalls in der Nachbarschaft seine Glaubensgenossen mit ihren religiösen Uebungen an diesem heißen Nachmittage noch nicht zu Ende gekommen sein könnten.