Kurz hierauf kamen wir an einige Stellen, woselbst die See ganz roth gefärbt war. Die Ursache war eine Unzahl kleiner rother Krebse, von welchen ich einige aufgefischt, sie aber leider später in Chile verloren habe.
Bereits sahen wir schon den Leuchtthurm des Hafens. Er scheint von ferne gesehen hart am Ufer zu stehen, befindet sich aber in Wirklichkeit weit ab von demselben, auf einem isolirt in See stehenden Felsen, – erinnere ich mich recht, vielleicht zwei englische Meilen vom Eingange des Hafens entfernt.
Wir ließen den Leuchtthurm Backbord liegen und hatten uns kurz vor Untergang der Sonne dem Eingange des Hafens bis auf eine kurze Strecke genähert.
In nächster Nähe hatten wir einige vereinzelt liegende ziemlich steile Felseninseln vor uns, und auf ihnen sahen wir die ersten Palmen. Weiter entfernt gegen rechts bewaldete Höhen, auf welchen die scheidende Sonne eben noch erlaubte, die wunderbaren Formen der tropischen Vegetation zu begrüßen. Noch weiter gegen das Land zu, gegen rechts, liegt am Eingange des Hafens das Fort Santa Cruz, welchem gegenüber der Zuckerhut, ein steiler, etwa 1300 Fuß hoher Felsen, den anderen Theil des Hafeneinganges bildet. Ihm schließen sich Berge und Felsen an, prangend im tiefsten prachtvollen Grün des Pflanzenwuchses.
Es wurde das Loth geworfen, um Tiefe und Beschaffenheit des Ankergrundes zu erforschen und der Kapitain bat die Passagiere um Ruhe und Stille auf einige Zeit, um ungestört jene Arbeit vornehmen zu können.
Denken läßt es sich, daß Alles auf Deck war, was sich rühren konnte an Bord; aber mit Ausnahme der beschäftigten Seeleute, welche hie und da einen Befehl empfingen und Antwort gaben, sprach dort Niemand eine Sylbe und es wurde dem Willen des Kapitains die möglichste Folge geleistet. War es die Achtung vor dem Worte desselben, war es die stille Lust am neuen nie gesehenen Anblicke, hatte sich Aller eine stille beschauliche Stimmung bemächtigt? Ich weiß es nicht, aber ich weiß, daß wenig Momente im Leben (angenehmen Andenkens nämlich) mir so unvergeßlich sein werden, als jene nächtlichen Stunden.
Wir hatten die Anker geworfen und ein leichter Landwind brachte uns eine Fülle von Wohlgerüchen an Bord, während große Nachtschmetterlinge um das Kompaß-Licht flatterten und dann wieder verschwanden.
Der Mond, welcher nur kurze Zeit geleuchtet, hatte den Sternen gestattet, uns das prachtvolle Blau jenes glücklichen Himmels in seiner ganzen Herrlichkeit zu zeigen. Dabei Klänge vom Land, Musik in der Entfernung, in größerer Nähe menschliche Stimmen in fremder unverständlicher Sprache und bewegliche Feuer. Im Hintergrunde und durch das Thor des Hafens ersichtlich die Stadt, beleuchtet von Tausenden von Lichtern längs dem dunklen Saume der Küste.
Alles das ist nichts besonderes. Aber es macht einen eigenen Eindruck wenn man es erfährt nach einer fast zweimonatlichen Seereise an der Küste eines Landes wie Brasilien und mit der Hoffnung, morgen jenes Land betreten zu können!