Wer sich kürzere Zeit in Brasilien aufhält, kann sich Sklaven miethen und hier sind die Preise ebenfalls wieder bedingt durch die Fähigkeiten derselben, durchschnittlich 20-30 Thaler per Monat. Ja man kann sich in Rio de Janeiro aller Orten Sklaven auf Tag und Stunde miethen, indem es dort eine häufige Spekulation ist, die Schwarzen beiderlei Geschlechts des Morgens hinauszuschicken, um eine gewisse Summe zu verdienen, welche des Abends abgeliefert wird. Der Mehr-Verdienst gehört den Sklaven, was beim Weniger geschieht, braucht kaum erwähnt zu werden.
Ein freundlicheres Bild als diese Sklavenzustände giebt der botanische Garten, aber in allen Notizen über Rio de Janeiro ist dessen erwähnt, so daß ich nur wenig über denselben berichten werde. Der Stifter dieses Gartens war ein Mönch, und die Grundidee, welche denselben leitete, die, alle Kulturpflanzen der Erde, einheimisch unter gleichen Breitegraden oder im wärmeren Klima überhaupt, dort zu vereinigen, die Bedingnisse ihres Gedeihens zu studiren, und sie dann in Brasilien zu verbreiten. So viel ich weiß, ist dieser Zweck nur unvollkommen erreicht worden, obgleich von Zeit zu Zeit die Regierung ihn kräftig unterstützt hat. Ich halte diesen Garten für den schönsten der Welt und habe ihn an Ort und Stelle für eine lebende Illustration zu »Tausend und eine Nacht« erklärt.
Die Anlage desselben ist einigermaßen im altfranzösischen Style gehalten, aber jene Kinder der tropischen Flora haben sich nicht binden lassen durch Schnürleib und Perücke, und so ist nur das Zierliche der Etikette geblieben, und deren Steifheit verschwunden.
Man kann sich denken, welchen Effect mächtige Baumgruppen machen, die zusammengestellt sind aus den abenteuerlichsten und prachtvollsten Blattformen der Erde.
Eine lange Allee des australischen Brodfruchtbaums fällt beim ersten Anblick in die Augen und überrascht durch die eigenthümliche Form der Stämme. Mächtige Gruppen von Bambusrohr imponiren durch ihre Höhe, während anderwärts ein Feld mit Theestauden, ferner Kaffeebäume, Baumwollenbäume, Cacaobäume und alle Gewürze Indiens vor unsern Augen blühen oder Früchte tragen. Lauben, mit phantastischen Schlinggewächsen überzogen, kleine künstliche Bassins, das mystische Dunkel mehrerer Partien des Gartens, so wie die allenthalben beschäftigten Neger vollenden das prachtvolle Bild, jener Abtheilung des Gartens gar nicht zu gedenken, in welcher man die kostbarsten Blumen blühen sieht und wo selbst europäische Zierpflanzen, möglichst kühl gehalten und durch Tücher vor der Sonne geschützt, gezogen werden.
Wenn man das über den Hafen fahrende Dampfboot benützt, hat man von der Stadt aus etwa eine Stunde bis zum botanischen Garten. Auf jenem Wege habe ich wieder auffallende Beweise von der stellenweise so starken Verwitterung des Granits gefunden und bezeichnende Handstücke erworben.
Einige Tage, ehe wir Rio verließen, liefen abermals einige Schiffe ein, welche theils bei Buenos Ayres, theils näher bei Kap Horn so bedeutend beschädigt worden waren, daß sie umwenden und im Hafen von Rio den erlittenen Schaden ausbessern mußten. Zugleich verbreitete sich das Gerücht, als sei in diesem Jahre die Schifffahrt bei Kap Horn gefährlicher als je. Das schien bedenklich.
Mehr aber noch war die fast gleichzeitig eingelaufene Nachricht vom Vaterlande aufregender Art. Die Revolution sei erneut und vollständig ausgebrochen. Ein Theil der Fürsten sei getödtet, die anderen verjagt, die Armeen zum Volke übergetreten. Blutige Rache werde genommen an Besitzenden, und Deutschland gehe einer freien, schönen Zukunft entgegen.
Vielleicht hat selten eine Nachricht bei Leuten verschiedener Parteien einen gleicheren Eindruck hervorgebracht.
Diejenigen, welche an die Schönheit jener Zukunft glaubten, bedauerten, das Vaterland verlassen zu haben im entscheidenden Augenblicke. Wir anderen, die bescheidene Zweifel hegten, waren in Sorge, der zurückgelassenen Angehörigen halber. So bedauerte jeder, nicht anwesend zu sein in der Heimat, und wir trösteten uns beinahe gegenseitig, statt uns zu befeinden.