Wir hielten uns, verloren wir auch bald die Küste aus den Augen, doch stets nicht weit vom Lande entfernt, und die Temperatur sank in Folge dessen ziemlich bedeutend, so daß das Wasser jetzt stets um einige Grade wärmer war als die Luft; so stand des Abends am 28. Juli das Thermometer an 0° R., während das Wasser + 4° R. zeigte.
Eine kleine Tabelle über die Thermometerstände, welche ich weiter unten im Auszuge folgen lassen werde, erläutert am besten diese Verhältnisse, welche ich für jetzt in Zahlen ausgedrückt nicht weiter berühren werde.
Ich will aber hier eine kurze Schilderung unseres Lebens und Treibens während der Umschiffung des Kap Horn geben.
Jämmerlicher und trostloser kann nicht leicht etwas gedacht werden als eine solche Reise für den Passagier. Wir passirten das Kap unter 56° 18' südl. Breite, aber wie ich schon erwähnt, hatte das schlimme Wetter bereits auf der Höhe von Buenos-Ayres begonnen und so hatten wir über fünf Wochen mit Unannehmlichkeiten aller Art zu kämpfen.
Eine See, die fast unaufhörlich 20 Fuß hohe Wellen wirft, Regen, Schnee, Hagel und eisige Nebel, das waren die Erholungen auf Deck, wenn man sich retten wollte aus der Kajüte vor dem Gestöhne der Seekranken, der kalten dumpfen Luft, dem ekelnden Schmutze, der Nässe und der Finsterniß, welche dort herrschte.
Die Tageshelle begann zwischen 10 und 11 Uhr, und verschwand wieder vor 3 Uhr des Nachmittags. In der Kajüte aber war die einzige Helle die, welche durch die geöffnete Thür von oben eindringen konnte, oder die spärlichen Strahlen, welche durch die einen Zoll breiten und etwa sechs Zoll langen Prismen in die einzelnen Kojen fielen, denn das Skylight war durch einen hölzernen Kasten gedeckt worden, da die unaufhörlich über Deck einschlagenden Wellen dasselbe in kurzer Zeit zertrümmert hätten.
Trotzdem, daß die Fugen dieses Kastens mit Theer und Werg verklebt waren, drang doch hie und da, von besonders ungünstig einschlagenden Wellen, Wasser durch dasselbe in die Kajüte, und eben so kamen durch die geöffnete Thür häufig ganz artige Wassermengen in unser Gefängniß, und vermehrten die Nässe und den Schmutz.
Es war durchaus nöthig von Zeit zu Zeit auf Deck frische Luft zu schöpfen. War man aber auch durch Uebung im Stande, meistens den einschlagenden Wellen auszuweichen, so wurde man doch durch den fast unaufhörlich fallenden Regen unbedingt durchnäßt und kehrte in die Kajüte mit nassen Kleidern zurück. Da diese aber nie getrocknet werden konnten, so besaß in kurzer Zeit Niemand mehr ein halbweg trockenes Kleidungsstück.
Man kann sich eine Vorstellung machen von der Atmosphäre in dem engen uns angewiesenen Raume, in welchem 18 Menschen aßen, schliefen, theilweise Tabak rauchten, ihre nassen Kleider aufbewahrten und nebenbei zum großen Theile seekrank waren, mit allen Erscheinungen jener Krankheit, welche ich nicht näher bezeichnen will. –
Kap Horn ist als die Region des fortwährenden Regens bezeichnet, oder besser als die Region der continuirlichen meteorischen Niederschläge, und in der That wechseln dort Schnee, Regen und Hagel ohne Aufhören, und nur selten wurde auf einige Augenblicke die Sonne gesehen als eine gelbliche, schwach leuchtende Kugel, verdrießlich zwischen Wolken hervorblickend und sofort wieder von diesen verdeckt. Bisweilen fiel ein so dichter Nebel, daß auf keine 20 Schritte weit gesehen werden konnte und vom Steuer aus am Bugspriet stehende Männer vollkommen unkenntlich waren.