Wir hatten jene Hühner in Brasilien eingenommen, sie waren von einer hochbeinigen Race und schienen das Seeleben überhaupt nicht gut zu vertragen, indem sie sichtlich abmagerten und überhaupt sich jämmerlich geberdeten, während die früher von Deutschland mitgenommenen frisch und munter blieben, wurden sie gleichwohl nicht übermäßig fett befunden.

Am 16. Juli unter 50° 54' Länge und 44° 50' südl. Breite, wurde mir von den Matrosen ein Regenbogen gezeigt, welcher am Himmel stand, während an dem Orte, wo wir uns befanden, weder Regen noch Sonnenschein war. Die Seeleute nennen die Erscheinung Sturmstack, wohl vom englischen Stake herkommend, welches Stock, Pfosten bedeutet. Wie der Ausdruck bezeichnet, bezieht man sie auf nahenden Sturm, welcher aber jenesmal sich nicht einstellte. –

War schon auf der Höhe von Buenos Ayres häufig Wasser über Deck gekommen, so war jetzt buchstäblich keine trockene Stelle mehr auf demselben, indem sich das Wetter täglich verschlimmerte, und neben den fortwährend einschlagenden Wellen häufiger kalter Regen fiel. Auch die Temperatur sank bedeutend, des Mittags z. B. stand am 16. Juli das Thermometer + 6.3 R. Dazu kam, daß während in der Kajüte selten gelüftet werden konnte, es doch auch dort kaum wärmer war, weil die fortwährende Nässe, erzeugt theils durch von oben eindringendes Wasser, theils durch die Menge der durchnäßten Kleidungsstücke, Alles erkältete. Geheizt wurde jetzt so wenig als später, da kein Ofen vorhanden, und dunkle Gerüchte, die sich von einem am Bord befindlichen Ofen verbreitet hatten, welcher in jenen Breiten aufgestellt werden sollte, sich nicht bestätigten. So wurde der Aufenthalt auf der Reform, je mehr wir uns dem Süden näherten, stets unbehaglicher, und diese Unannehmlichkeiten wurden noch vermehrt durch die erneut ausbrechenden Mißhelligkeiten zwischen Kapitain und Passagieren.

Ich habe, wie ich schon früher erwähnte, dort mehrfach begütigt und mancherlei ersonnen, um die streitenden Theile auseinander zu halten, bald mit mehr, bald mit minderem Erfolge, aber ich gehe über diese Dinge hinweg, die den Leser ermüden müßten, wie sie mir zu jener Zeit zum Ekel geworden sind.

Wir beobachteten am 21. Juli unter 56° Länge und 46° 54' südl. Breite den ersten Tang und einige Tage hindurch wurden von Zeit zu Zeit Stücke desselben gesehen und aufgefischt. Ueber 49° 5' Breite hinaus konnte ich kein Exemplar dieser Pflanze mehr entdecken, obgleich ich trotz des schlechten Wetters oft Ausspähe hielt. Es war Fucus pyriferus Linné, und bald darauf wurde auch Fucus antarcticus Chamisso an Bord gebracht. Diese von uns aufgefangenen Tange, welche sonst bisweilen eine Länge von 300 Fuß erreichen, hatten indessen nur höchstens eine Länge von 10 bis 15 Fuß, und es bleibt bemerkenswerth, daß wir weiter gegen Süden zu keine mehr zu sehen bekamen. Auch als ich etwa ein Jahr später Kap Horn abermals umschiffte, traf ich nur sehr wenige und kurze Stengel dieser Pflanzen, so daß es scheint, als sei das Fortkommen derselben in diesen Breiten veränderlich, oder unbekannten Zufälligkeiten unterworfen, indem andere Reisende von 80 Fuß langen Stücken des Fucus pyriferus sprechen, welche dort aufgefischt worden, und dessen Häufigkeit in jenen Breitegraden hervorheben. Auch war an den von mir aufgefangenen Fucus-Stücken kein lebendes Wesen zu finden, was sonst selten der Fall zu sein scheint, indem fast alle anderen Beobachter große Mengen der verschiedenartigsten Thiere auf denselben gefangen haben.

In der Nacht vom 25. auf den 26. Juli hatte ich Gelegenheit eine eigenthümliche Modifikation eines Mondhofes zu beobachten. Der Mond stand bei leicht bedecktem Himmel etwa 15 Grade hoch. Genau dem Durchmesser des Mondes gleich zeigte sich in senkrechter Richtung ein leuchtender Streif ober- und unterhalb desselben, von einer Totallänge von ebenfalls etwa 15 Graden und ziemlicher Lichtstärke, welche am intensivsten in der Nähe des Mondes selbst war. Rasch vorüber ziehende Wolken oder Nebelschichten dämpften oder hoben, je nach ihrer Stärke, die Lebhaftigkeit des Lichtes, welches bisweilen ziemlich glänzend erschien. Man kann sich die Erscheinung am leichtesten versinnlichen, wenn man sich einen gewöhnlichen, aber ziemlich großen und hellen Hof um den Mond denkt, an welchem auf beiden Seiten, bis an die Ränder der Mondscheibe hin, zwei Segmente abgenommen worden sind.

Obgleich ich häufig Gelegenheit gehabt hatte, sowohl in Europa als auch auf und über der See den nächtlichen Himmel zu beobachten, habe ich doch blos einmal später in Nürnberg (März 1852) eine ähnliche Erscheinung gesehen, indessen, wenn ich mich so ausdrücken darf, blos angedeutet, nicht klar ausgesprochen, und von geringer Intensität[5].

Wir gingen am 28. Juli des Morgens zwischen Staatenland und Good Succeß, der südlichsten Spitze des Feuerlandes, hindurch und hatten Gelegenheit bald die eine bald die andere der beiden Küsten ziemlich deutlich beobachten zu können. So viel theils mit freiem Auge, theils durch einen Feldstecher von Plössel zu beobachten war, möchte ich die sichtbar gewordene Küste des Feuerlandes in der massenhaften Bildung ihrer Formen sehr ähnlich bezeichnen mit dem Typus der Westküste Amerikas überhaupt. Kleine Hügel schienen mehr oder weniger weit in See vorgeschoben und bildeten die äußerste Küste. Sie waren dunkel, fast schwarz gefärbt, theilweise in pittoresken Formen und schienen basaltischen und doleritischen Gebilden oder plutonischen Conglomeraten anzugehören, wie solche so häufig allenthalben an der Westküste in größerer oder geringerer Ausdehnung getroffen werden. Das mit Schnee bedeckte Gebirge, das gegen das Innere zu sich über jene dunklen Vorgebirge erhebt, trägt den Charakter granitischen Gesteins in weiterer Ausdehnung des Begriffes, wie denn solches eben auch an der Westküste der Fall, wo mächtige Massen von Granit, Gneiß und Glimmerschiefer das Festland bilden, bis sie durchbrochen werden von der Andeskette, jener gigantischen Musterkarte aller plutonischen und vulkanischen Gesteine der Erde.

Staatenland, uns, den Vorübersegelnden, auf der Backbordseite liegend, zeigte im Allgemeinen ähnliche Formen und jene in's Meer reichenden Felsgebilde traten bisweilen noch klarer ausgesprochen hervor. Es mag nicht bezweifelt werden, daß Staatenland verbunden gewesen mit dem Feuerlande, und entweder getrennt worden ist von demselben bei der Hebung beider über die Oberfläche des Meeres, vielleicht aber auch durch eine jener gewaltigen späteren Katastrophen, die periodisch eingetreten sein müssen noch nach der Entstehung jener Länder.

Wem, wohnend auf dem, wenigstens wie es scheint geognostisch ziemlich feststehenden Boden unsers guten alten Deutschlands, eine solche gewaltsame Trennung so bedeutender Massen in vorhistorischer Zeit unglaublich erscheint, den verweise ich auf die erst vor 100 Jahren (1746) vor sich gegangene Entstehung der Insel San Lorenzo bei Callao, welche früher ein Theil des Festlandes, im genannten Jahre durch ein Erdbeben losgerissen wurde und jetzt eine Viertelstunde weit in See liegt.