In Rio de Janeiro war im Mittel von 9 Beobachtungen des Morgens um 6, des Mittags und 8 des Abends die Temperatur in der Rua de Cotovello im Schatten:

Des Morgens 6: + 22.0 R., des Mittags 12: + 24.5 R., des Abends 9 + 22.8 R. Immerhin ein ganz artiges Winterwetter.

IV.
Die Fahrt um Kap Horn nach Chile.

Wieder auf der Reform und geschaukelt auf den sanften Armen der alten Thetis, schien uns anfänglich Alles sich vereinigt zu haben, die Fahrt zu einer angenehmen zu machen. Segelnd bei dem Winde mit Nord-Ost, oder mit Nord vor dem Winde und bei aufgesetzten Leesegeln kamen wir so rasch vorwärts, daß wir in den ersten Tagen fast täglich drei Breitegrade durchfuhren und bald die Höhe von Buenos-Ayres erreicht hatten.

Am Bord war ein reges Leben. Die Passagiere suchten die in Rio de Janeiro gekauften Vorräthe, meist alle eßbarer Natur, unterzubringen. Ich verpackte und verstaute Naturalien, welche ich dort erworben, indianische Waffen und andere Gegenstände, und des Abends wurde dem erstandenen Lissabonwein, der an Portwein erinnert, aber süßer ist, nicht selten wacker zugesprochen. So machte es wenig Eindruck, daß, kaum aus dem Hafen von Rio ausgelaufen, uns der »Expreß« begegnete, ein Schiff unseres Rheders, welches vor uns von Bremen abgesegelt und auf der Höhe von Buenos-Ayres übel zugerichtet worden, so daß es umkehren und in Rio bessern mußte. Die Barke hatte am linken Mast Braam- und Royalstangen verloren und sah höchst jämmerlich und zerschunden aus.

Die Fauna des Meeres ist in jenen Breitegraden eine reichliche. Wir sahen häufig Quallen von allen Arten, unter welchen Scheibenquallen von mehreren Fußen Durchmesser nicht selten. Delphine begegneten uns, Züge von Butzköpfen wurden gesehen, und mannichfache Seevögel, worunter auch schon Albatrosse, begleiteten das Schiff.

Aber auf der Höhe von Buenos-Ayres schon begannen wir einen Vorgeschmack zu bekommen von den Freuden des Kap Horn. Die See ward stürmisch und die häufigen Gewitter, welche unter jenen Breiten herrschen, trieben uns bald ost- bald westwärts. Dort kamen die ersten starken Wellen über Bord und ich erinnere mich noch des eigenthümlichen Anblicks, welcher uns in der Kajüte während des Mittagessens durch einen solchen unwillkommenen Gast zu Theil wurde. Eine ziemliche Anzahl der Passagiere des Zwischendeckes standen an der Luvseite des Schiffes, als plötzlich eine mächtige See über Bord schlug, und da gleichzeitig sich das Schiff rasch auf die Leeseite legte, wurden sie sämmtlich ziemlich unsanft, aber desto rascher von der Backbordseite auf die Steuerbordseite geschleudert, begleitet und durchnäßt von einer mächtigen Wassermasse. Da unser Skylight mit vergittertem Glase gedeckt war, blieb es unbeschädigt, aber keiner von uns in der Kajüte konnte sich anfänglich erklären, was die Menge von Armen, Beinen und Köpfen zu bedeuten hatte, welche rasch und polternd und bunt durcheinander gemengt, das Skylight passirte.

Bald übrigens erlangt man die Uebung beurtheilen zu können, ob eine See über Bord kommen wird oder nicht, und kann so der namentlich in höheren Breitegraden unangenehmen Durchnässung ausweichen, oder sich schützen.

Die meisten Gewitter, welche uns dort überraschten, kamen des Nachts und waren von einem heftigen Winde begleitet. Das Schaukeln des Schiffes, das Brüllen des Donners und der über Bord schlagenden Wellen, in Gemeinschaft mit dem Lärmen, der durch Bergen der Segel und auf Deck nicht selten herumrollenden Gegenstände verursacht wurde, machten manchem der Genossen schlaflose Nächte, zudem da die Seekrankheit wieder alle dafür Empfängliche stark befallen hatte. Ich selbst blieb davon verschont und wurde auch von dem nächtlichen Lärmen nicht sonderlich beunruhigt, indem ich mich bald an denselben gewöhnt hatte.

Es wurde jetzt von Tag zu Tag die See stürmischer, und das, was wie es scheint beinahe allen Schiffern, die Kap Horn umsegeln, geschieht, begegnete auch uns, wir verloren unsere Hühner. Es wurde nämlich der Hühnerkasten eines Morgens von einer starken Welle zerschlagen und ein Theil seiner Insassen theils über Bord gespült, theils beim Bruche des Behälters getödtet, die wenigen wieder eingefangenen aber, welche trübselig und durchnäßt im nothdürftig reparirten Kasten ihres weiteren Schicksals harrten, wurden sammt dem Kasten in folgender Nacht vollständig in die See gespült.