Die öffentlichen Bauten, meist von der Regierung in früherer Zeit gebaut, sind fast durchgängig bescheiden, wenn auch ihrem Zwecke entsprechend.
Von den Kirchen, die eigentlich den Baustyl repräsentiren sollten, vermag ich leider wenig Tröstliches zu berichten. Reminiscenzen an altspanische, mitunter fast maurische Zeit, aber jämmerlich, ja barock verflochten mit Zopf und Perücke, und mit einer hie und da so sonderbaren Ornamentik versehen, daß ich keinen Vergleich mit unserem Lande dafür zu finden weiß, das ist der Eindruck, welchen ich von den Kirchen in Valparaiso bewahrt habe. Ein einfaches, blos aus dem Erdgeschosse bestehendes Gebäude ist das Hospital, welches vielleicht recht die ältere Bauart vertritt, wie sie noch zu Zeiten der spanischen Herrschaft geübt wurde. Es ist ziemlich weitläufig und besteht aus mehreren Vierecken, deren innere Höfe den Genesenden zum Spazierengehen dienen. Luftige Arkaden im Innern fehlen natürlich nicht und das Ganze scheint seinem Zwecke zu entsprechen. Die Krankensäle sind luftig, frei und reinlich gehalten. Da in jenem glücklichen Lande fast stets Thüren und Fenster geöffnet erhalten werden können, so ist das erstere nicht mit besonderen Schwierigkeiten verknüpft. Es befinden sich 180 Betten für männliche Kranke und 154 für weibliche dort, welche natürlich getrennt sind. Eine medicinische und chirurgische Abtheilung besteht indessen nicht, und die Kranken liegen unter einander, so viel ich weiß, in der Ordnung, wie sie eben in die Anstalt kommen. Ein Oberarzt leitet das Ganze und ihm sind zwei Assistenten beigegeben, von welchen jeder 20 Peso den Monat Besoldung bezieht. Im Hospitale befindet sich ein Sectionszimmer und eine Apotheke mit Laboratorium. Beide gut und zweckmäßig eingerichtet. Ich habe bei dieser Gelegenheit den Preis eines Blutegels erfahren, der 6 Realen ist. Zu meiner Schande aber muß ich gestehen, daß ich nicht weiß, ob man im Lande selbst diese Thiere fängt, oder ob sie alle aus Europa dorthin gebracht werden. Daß dies mit größeren Sendungen der Fall ist, habe ich erst später erfahren.
Es mag im Allgemeinen bemerkt werden, daß die häufigsten Krankheitsformen Icterus, Syphilis in ihren verschiedenen Formen, und eben so Phthisis und Tuberculose sind.
Die wenigen Notizen über den Krankheits-Genius von Chile, welche ich gesammelt habe, muß ich indessen für einen andern Ort versparen, da ich eigentlich hier nur von den Gebäuden der Stadt zu sprechen beabsichtigte.
Ein anderes Hospital, erbaut auf einem der Hügel, welche die Stadt umgeben, ist für kranke Seeleute bestimmt, doch werden, wie mir schien, auch vermögende Kranke aus anderen Ständen angenommen, welche ihre Verpflegung bezahlen. Es ist dort eine wirklich lurxuriöse Einrichtung und das Haus liegt versteckt in einem wohl gepflegten Garten mit kostbarer Aussicht auf Hafen und See.
Ich sollte jetzt noch vom Theatergebäude berichten und etwa von dem Justizpalaste oder wie man eben die Anstalt benennt, in welcher die öffentliche Rechtspflege ausgeübt wird. Abermals aber muß ich ein, wenn nicht reuevolles doch offenes Bekenntniß ablegen, wie oben in Betreff der Blutegel. Ich habe mich um das Wesen der Justiz, um die öffentlichen Sitzungen und um die wirklichen theatralischen Vorstellungen im Opernhause so wenig gekümmert, als ich es auch stets in Deutschland gethan habe und so vermag ich, da das Innere mich wenig interessirt hat, auch nur anzugeben, daß das Aeußere der Gebäude einfach und zweckmäßig erscheint und nicht störend einwirkt auf den guten Geschmack.
Vom Hauptsitze des Gouvernements, von Santjago aus, werde ich später über Regierung und staatliche Einrichtungen zu sprechen haben, da ich dort zuverlässige Nachrichten erhalten. –
Um aber die flüchtige Skizze der Stadt und ihres Weichbildes zu beenden, sei es mir erlaubt der nächsten Umgebung von Valparaiso zu gedenken, so weit ein guter Fußgänger dieselbe zu durchstreifen vermag.
Ich habe schon der Hügel gedacht, zwischen und theils auf welchen sich die Stadt längs der Meeresbucht hinzieht. Diese Hügel gewähren an und für sich ein kahles und trostloses Ansehen. Sie bestehen aus Granit, aber die Oberfläche desselben ist verwittert und so hat sich ein eintöniges Braun erzeugt, bedeckt mit spärlichem und wenig zierlichem Pflanzenwuchse, und das nur an einigen Stellen.
Der vier bis fünf Fuß hohe Cactus Chilenis, der sich am meisten auszeichnet und an den steilsten und abschüssigsten Gehägen vortrefflich gedeiht, giebt derselben allerdings ein »südliches« Ansehen, aber die verwünschte Stachelbewaffnung desselben macht oft das Erklimmen jener Gehäge höchst beschwerlich. Neben ihm trifft sich am häufigsten eine Nesselart (Losa acerifolia), Ortiga in der Landessprache, und diese macht, wo sie zahlreicher vorkömmt, jedes Durchdringen unmöglich. Sie erreicht ebenfalls eine Höhe von drei bis vier Fuß und blüht gelb im August und September, aber die geringste Berührung ihrer Blätter bringt heftigen brennenden Schmerz hervor, und die abgebrochenen feinen Stacheln erzeugen auf der Haut Pusteln, welche hart werden und vierzehn Tage bis drei Wochen lang schmerzen.