Am grünen Saume der Berge aber und in den Schluchten schwärmt der Trochilus gigas und sepharoides um Blüthen und Blumen und es werden diese beiden einzigen Colibri des Flachlandes von Chile dort nicht selten getroffen in Gesellschaft größerer, wenn gleich nicht so bunt befiederter Genossen ihres Geschlechts.
Besteigt man die Hügel, zwischen welchen sich jene Schluchten hinziehen, so findet man die Höhe meist bewaldet, doch fehlen auch angebaute Felder nicht, indem sich in günstiger Lage einzelne Ansiedler niedergelassen haben.
Aber es ist Zeit, daß wir zur Stadt zurückkehren und versuchen, deren Leben und Treiben näher kennen zu lernen.
Ich hatte meine Zeit etwa in der Art eingetheilt, daß ich des einen Tages die Umgegend durchstreifte, Mineralien, Gebirgsarten und Pflanzen sammelte und geognostische Durchschnitte zeichnete, oder mit der Flinte auf dem Rücken in den Schluchten kletternd, Vögel schoß, wohl auch am Ufer der See Conchylien und andere Seethiere fing. Des folgenden Tages wurde das Erworbene geordnet. Die erlegten Vögel abgebalgt, die Pflanzen eingelegt und Notizen in's Tagebuch eingezeichnet. Was ich von Thieren lebend erhalten konnte, suchte ich zu beobachten, so lange als möglich, und man mag sich wohl denken, daß es bunt genug in meiner Stube ausgesehen und ich genug Arbeit hatte.
Bald hatte sich ein kleiner Kreis von jungen Deutschen um mich gebildet, welche, meist Kaufleute, dort eine Stelle zu finden hofften, aber vorläufig noch ohne Beschäftigung waren. Sie haben mir getreulich beigestanden und mich vielfach unterstützt in allen meinen Geschäften, indem sie mich theils auf die Jagd begleiteten und thätigen Antheil nahmen an derselben, theils freundlich genug waren, die mineralogischen Hämmer, den Barometer und die Botanisirkapsel zu tragen, wohl auch bei größeren Excursionen den Mundvorrath zu schleppen. Da auch bei der sichtenden Arbeit des folgenden Tages ich häufig mich solcher Beihülfe zu erfreuen hatte, so vermochte ich in kurzer Zeit mannichfache Schätze zu sammeln und wurde bald als der »deutsche Naturforscher« in Valparaiso bekannt, dem noch überdies manche freundliche Gabe geboten wurde von selbst gesammelten Naturalien und allerlei Eigenthümlichem, welches man eben durch Zufall erworben.
Auch von den Passagieren der Reform erhielt ich Besuche, so lange noch das Schiff im Hafen lag, und Beweise von freundlicher Gesinnung gegen mich. Ich hatte in Bremen einen größeren Vorrath von Rauchtabak gekauft, konnte aber der Douane halber denselben nicht gänzlich an's Land schaffen, obgleich ich einen Theil desselben, so wie Cigarren, wohl theils durch Nachsicht der Mauth-Bediensteten eingeschmuggelt hatte.
Arbeitend in meinem Zimmer wurde ich kurz vor der Abreise der Reform überrascht durch den Besuch von zwölf der Passagiere, welche, meine Klause fast gänzlich ausfüllend, von mir knurrend und brummend empfangen wurden, mit ärgerlichen Redensarten von Störungen in der Arbeit, welche selbst in Südamerika eben so fortdauerten wie in Deutschland, und anderen halb scherzhaften halb verdießlichen Worten. Aber ich wurde überrascht und beschämt, als jeder der Besuchenden mir ein Pfund jenes zurückgelassenen Tabaks überreichte. Sie hatten, wohl wissend, wie ungern ich denselben vermißte, ihn einzeln an's Land geschmuggelt und so den letzten Beweis ihrer Freundschaft gegeben.
Lange verbrannt sind jene Blätter, aber noch heute freue ich mich aufrichtig jenes mir bewiesenen Wohlwollens.
Einige Tage darauf segelte die Reform aus dem Hafen ihrem eigentlichen Bestimmungsorte St. Francisko zu, und ich sah mit theilnehmendem Herzen die Männer einem ungewissen Schicksale entgegen gehen, die mir freundlich gesinnt waren und mit welchen ich manche Fährlichkeit bestanden, manches Ungemach ertragen.
Ich habe durch Gerstäcker, der mit ihnen nach Kalifornien reiste, über Einzelne erst in der Neuzeit Nachricht erhalten, das Schicksal der Meisten aber ist mir unbekannt geblieben. Gleich mir blieben in Valparaiso zurück ein junger Kaufmann, Münchmeier, und ein Musiker aus Bremen mit seiner Familie. Ich blieb während meines Aufenthaltes in Chile mit dem Ersteren im freundlichsten Verhältnisse und wir wechseln noch heute Briefe. –