Denn Dunkel ist wo Du fehlest,

Wo Du bist, zu glänzendes Licht.


Dieß sind wörtliche und absichtlich nicht in Reim gezwängte Uebersetzungen. Meist habe ich ältere Frauen die Zambacueca mit Gesang begleiten hören, und bitter-süße Erinnerungen mögen manche Strophen begleitet haben. Fast immer sind die Tänzer gewandt und es ist ein Genuß dem Tanze zuzusehen, doch habe ich ihn auch von Eingebornen so plump und täppisch ausgeführt gesehen, daß mir graute, während Europäer, die Pas einflechten wollten, in affenartige Sprünge verfielen.

Die wilde tolle Lustigkeit auf solchen Plätzen, durch Tanz und Wein auf's höchste angeregt, macht sich bei der Heimkehr durch das verwegenste Reiten Luft. Es ist in Valparaiso verboten im Galopp durch die Straßen zu reiten oder zu fahren, und nur die berittenen Polizeidiener und die Aerzte dürfen dieß thun. Streng wird hierin die Ordnung gehandhabt und häufig sah ich Uebertreter von den Vigilanten eingeholt und zur Strafe (ein Peso!) gebracht. In jenen Tagen aber ras't alles in wüthender Carrière durch die Stadt. Männer und Frauen, oft 6- oder 7jährige Kinder hinter sich, und in Haufen zu zwanzig bis dreißig Personen, sprengen so durch die Straßen, da von dem Feste heimkehrend, alles durch die Stadt passiren muß.

Häufig umschlingen Liebende, wer weiß vielleicht auch Eheleute, sich mit den Armen während des rasendsten Laufes der Pferde, und es werden Kunststücke ausgeführt, welche jedem Kunstreiter zur Ehre gereichen würden. Es ist ein beliebtes Spiel der Chilenen, sich reitend dicht an einander zu drängen und zu versuchen, ob einer den andern vom Pferde zu bringen vermag. Die Thiere, meist hieran gewöhnt, unterstützen ihren Reiter, indem sie sich, im Sinne seiner Bewegung, gegen das andere Pferd neigen, so daß beide Reiter einen spitzen Winkel bilden. An einer stark abschüssigen Stelle des vom Feste abführenden Weges, habe ich dort gesehen, wie galoppirend zwei Männer dieses Spiel übten, und der eine bereits hart bedrängt, fast zu unterliegen schien, als ein schönes junges Weib, seine Freundin oder Frau, ihm zu Hilfe eilte, mit einem gewaltigen Satze ihres Pferdes an seine Seite kam, und stets nebenher sprengend durch ihr Gewicht den Freund in's Gleichgewicht brachte, so daß bald der Gegner abstehen mußte.

So macht sich Lust und Jubel im übermüthigsten Reiten Luft, aber die Gewandtheit der Reitenden und die Güte und Sicherheit der Pferde macht die Sache weniger gefährlich, als sie dem unkundigen Zuschauer erscheint. –

Was die Gesammt-Lebensweise betrifft, so spreche ich absichtlich erst hievon, nachdem ich solche einzelne Bilder gegeben. Mir schien, als haben die in Valparaiso wohnenden Fremden einen Theil der Sitten des Landes angenommen. Man steht ziemlich spät auf, hingegen wird mehr als die halbe Nacht wachend zugebracht. Man macht Besuche des Nachts um zehn, um eilf Uhr. Da der Gang des ganzen öffentlichen und gesellschaftlichen Lebens hienach eingerichtet ist, muß sich jeder nach demselben richten, selbst wenn es ihm anfänglich unbequem fallen sollte. Des Morgens um 9 Uhr wird ein Frühstück nach englischer Weise genommen, Thee, Kaffee, Eier, Schinken, Fische u. s. w. Des Abends um 5 oder 6 Uhr die Mittagsmahlzeit. In den Häusern der Fremden ist natürlich mehr oder weniger die Kochkunst ihres Landes repräsentirt, der Norddeutsche genießt mit Anstand seine süße Fruchtsuppe, von welcher sich der Süddeutsche und Franzose schaudernd abwendet. Wie in den meisten wärmern Ländern spielt der Pfeffer[11] in der chilenischen Küche eine bedeutende Rolle und ist beliebt bei arm und reich. Man gewöhnt sich rasch an denselben, obgleich im Anfange die den Speisen zugesetzte Menge dieses Gewürzes fast bedrohlich erscheint.

Die vorzüglichste Nahrung des Volkes, das heißt wie es scheint die beliebteste, sind die Erbsen, Garbanzos genannt. Sie werden mit wenig Fett in größerer Menge geschmort, anfänglich warm, und dann später meist kalt, hie und da aber auch einige Mal wieder aufgewärmt gegessen.

Man hat mancherlei Ideen von der besonderen Nahrhaftigkeit dieser Erbsen gehabt und ich bin mehrfach nach meiner Zurückkunft aufgefordert worden, Aufschlüsse über dieselben zu geben. Sie unterscheiden sich indessen in Nichts von den unsrigen. Ich habe solche Erbsen nicht selten an Ort und Stelle selbst gegessen und habe auch eine Quantität derselben mit nach Europa gebracht und sie untersucht. Aber in wärmern Ländern ist die Masse der Fleischnahrung nicht nöthig, welche in kälteren Gegenden unter höheren Breitegraden zum Bedürfniß wird. Liebig's hierüber aufgestellte Sätze sind allgemein bekannt, ich brauche sie nicht zu wiederholen. Sie haben sich auch hier bestätigt, wie vieles, was dieser Gelehrte ausgesprochen, und was man angegriffen hat.