Später war gegen Entrée von einem Peso großer Maskenball im Theatergebäude, welcher indessen von sämmtlichen Damen besucht wurde, die der Gattung Phalaena nocturna angehörten. Ich kann nicht sagen, ob er glänzend gewesen, denn ich habe ihn nicht besucht, aber die Masken, welche ich auf der Straße gesehen habe, schienen mir in's Chilenische übersetzte Tyrolerinnen, Gärtnermädchen, Türken und Ritter unsers Faschings zu sein. Das Fest dauerte 8 Tage, und erst an diesen sprang die Eigenthümlichkeit des Volks und seiner Belustigungen in die Augen, während am ersten und Haupttage europäische Formen vorherrschten.
Auf einem der großen Plateaus, unweit des Leuchtthurms, waren Zelte und Buden aufschlagen und dort trinkt, ißt und tanzt man. Aber man sitzt nicht friedlich Stunden lang an einem und demselben Orte, mit Andacht genießend, was der liebe Gott bescheert hat, sondern man ras't und tobt von einer Bude zur andern, ein Glas hinunter stürzend, und wieder weiter eilend, und das häufig zu Pferde; Mann, Weib und Kind wie toll unter einander umher jagend, über Gräben setzend, und wo es halbweg der Raum erlaubt, nicht das Terrain, denn das ist gleichgültig, wettrennend.
Der fast einzige Tanz, den ich dort habe tanzen sehen, ist die Zambacueca, welche man den chilenischen Fandango nennen kann. Sie gehört dem Volke an, und ich habe gefunden, oder glaube gefunden zu haben, daß man in den höheren Ständen sie vor Fremden nicht gerne tanzt, da man sie nicht für europäisch mithin für »gebildet« genug hält. Ein einziges Paar führt den Tanz aus, welcher aus einer Menge zierlicher und mehr oder weniger leidenschaftlicher Bewegungen besteht. Lockend beginnt der Mann. Das Weib zieht sich fliehend zurück, der Mann folgt, scheint endlich zu verzichten und wendet sich; nun nähert sich die Spröde halb entschuldigend, halb aufmunternd, um später wieder das frühere Spiel zu beginnen. Die Bewegungen sind graciös, nicht heftig, und beide Theile haben ein Taschentuch, auf dessen zierliche Handhabung bald Lockung und Einladung, bald Schutz und Abwehr bedeutend, viel ankömmt. Selten begleitet mehr als eine Guitarre den Tanz, aber die im Kreise sitzenden Frauen begleiten ihn mit Gesang, der unerläßlich ist. Eine einfache, fast klagende Liebesweise mit unzähligen Versen, die wohl häufig aus dem Stegreife gesungen werden, z. B.
Himmel! wo ist meine Geliebte?
Himmel! wo ist mein Stern?
Ach er entschwand meinem Blicke,
Doch nimmer aus meinem Herzen.
Oder:
Grausame Du hast mich geblendet!
Für immer der Augen beraubt,