Wachslichter auf großen silbernen Leuchtern brennend, erhellen das Gemach, dessen Thüren und Fenster geöffnet sind und meist den Blick in den Garten gestatten, der selbst zu jener ersten Zeit meines Dortseins, zur Winterzeit, reichlich mit Blumen geschmückt ist. Trotzdem hat die Hausfrau auf dem Sopha im Kreise der geachtetsten älteren Damen meist den Brasero, das Kohlenbecken, vor sich, an dessen Gluth sich bisweilen die Damen die Finger wärmen, obgleich im Salon dieß wohl kaum nöthig. Der Hausherr sitzt in einer Ecke sich auf einem Lehnstuhl wiegend, und auf Bänken rings an den Wänden haben die übrigen Gäste Platz genommen. Nie fehlt der Flügel, und nach kurzer Zeit der Unterhaltung musicirt oder tanzt man. In den Pausen wird chinesischer Thee gereicht, aber stets auch Paraguay-Thee nach der Sitte des Landes, dann Eis, feine Liköre und Backwerk. Die Cigarre ist dem Cavalleros unvermeidlich. Vor dem Ende einer solchen Abendunterhaltung, mehr eigentlich einer nächtlichen, denn man versammelt sich gegen 9 Uhr und geht um eins oder zwei des Nachts auseinander, werden stets alle Heimkehrenden mit Blumen beschenkt, wie denn auch schon während des Abends bisweilen die Damen irgend einem der Männer Blumen oder Zuckerwerk senden, oder selbst bringen.

Aber diese süße duftende Sitte mag den Eitlen nicht glauben lassen, daß er besonders bevorzugt sei. Sie ist blos durch Artigkeit bedingt und spricht keine specielle Auszeichnung aus. Männern, mit denen die Damen nur halbweg bekannt sind, werden Blumen in's Haus geschickt, und es wird sehr freundlich angenommen, macht man ein analoges Gegengeschenk. Ich war kaum drei Wochen in Valparaiso, so war ich stets mit so vielen Blumen versehen, daß ich füglich eine Ziege hätte ernähren können. Jenen prosaischen Gebrauch habe ich nun freilich nicht von den zarten Kindern der Flora gemacht, aber ich habe Galanterie und Oekonomie vereinend, jene Blumensträuße umgebunden, so unkenntlich gemacht und mit beschnittenen Stielen zu Gegengeschenken verwendet.

Nun ich des heiteren Lebens der höheren Stände gedacht, will ich der Freuden des Volks erwähnen. Handel und Wandel, Handwerk und Arbeit mag später seine Licht- und Schattenseiten zeigen.

Das Befreiungsfest in Chile giebt hiezu eine passende Gelegenheit. Es beginnt am 18. September und ist der Jahrestag, an welchem sich Chile für unabhängig von der spanischen Herrschaft erklärt hat.

Mit dem frühesten Morgen erweckte der Donner sämmtlicher Kanonen von allen Forts des Hafens die Bevölkerung der Stadt. Die im Hafen liegenden fremden Schiffe, zu jener Zeit sicher 70 bis 80 größere Fahrzeuge, hatten alle Flaggen aufgezogen, wobei natürlich die chilenische[9] nicht fehlte und meist an der Spitze prunkte. Eben so waren alle Häuser der Stadt mit Fahnen geschmückt, wohl auch am meisten die chilenische vorherrschend, doch flatterten die Farben aller Nationen dazwischen, denn jedes Banner darf entfaltet werden, mit Ausnahme des spanischen. Dann Glockengeläute, festlicher Gottesdienst und Parade.

Das eigentliche Fest des Volks begann aber erst jetzt und wurde mit einem Wettrennen der Boote im Hafen begonnen. Eine ziemlich weite Strecke wird mit fabelhafter Schnelle durchrudert, und die Rudernden sollen oft so angegriffen sein, daß sie ärztliche Behandlung bedürfen. Den Weltkampf dürfen auch die Matrosen fremder Schiffe mitmachen, ich glaube aber an jenem Tage bestanden die Kämpfenden bloß aus Chilenen; der erste Preis besteht aus zwei Unzen Gold.

Des Abends und die Nacht hindurch wurde beleuchtet, indessen ohne Zwang. Ich sah Laternen und farbige Gläser in welchen Lampen brannten, meist wieder die Landesfarben und hie und da ein Transparent. Sehr glanzreich war das Ganze eben nicht. Am Theater waren zwischen Transparenten zwei Inschriften angebracht:

[10] La independencia nos hara fuertes y la libertad grandes,

und

Valparais recuerda con gratituda a los Patriotos de 1810.