Später wohl erst hob sich das Flachland von Chile und den andern Ländern, welche jetzt die Westküste bilden. Sind nun jene Gänge und Spalten-Ausfüllungen, welche den Granit und die Gesteine des Flachlandes durchziehen, schon entstanden als noch das Meer alle jene Formen bedeckte, oder erst später, so viel ist sicher, mächtige Erschütterungen müssen durch eine lange Reihe von Jahren das neue Land heimgesucht haben, davon geben die Erdbeben Zeugniß, welche noch heute dort häufiger als irgendwo sonst auftreten.

An manchen Stellen in Chile, unweit Valparaiso, unweit Santjago, im Norden und im Süden, trifft man neptunische Formen den granitischen aufgelagert, und diese oft Versteinerungen führend; die Schichten sind ohne Zweifel der alte Meeresgrund, in der Tiefe schon früher dem Granite aufgelagert und später dann mit demselben emporgestiegen. Aber auch mächtige Alluvialgebilde werden häufig in Chile getroffen und man begegnet auf der Reise von Valparaiso nach Santjago vielfachen Spuren, daß mächtige Wassermassen dort geströmt haben müssen, so wie die schroffen und steilen Schluchten der Küsten-Cordillera, offenbar blos mächtige Wasserrisse, ebenfalls dessen Zeugniß geben.

Alles deutet mit vollständiger Sicherheit darauf hin, daß diese mächtigen Fluthen nicht von der See aus gegen das Land hin gedrängt worden sind, sondern sich vom Lande aus gegen das Meer hin ergossen haben.

Dies wird klar, so bald man sowohl dem Laufe der Flüsse folgt, mithin jenen Rissen und Vertiefungen, die noch heute Wasser führen, als auch den Ablagerungen jener Gerölle und der Form der Schluchten.

Jene Gewässer strömten (und wahrscheinlich in einzelnen öfters wiederkehrenden Perioden) von der Andes-Kette aus hinab über das Flachland von Chile, Gesteinstrümmer und Blöcke von dort mit sich führend und allenthalben zurücklassend, bis sie, aufgehalten durch den Damm, den die Küsten-Cordillera bildete, sich dort aufstauten und endlich gewaltsam Bahn brachen durch jenes Hemmniß.

So sind jene Schluchten entstanden, in denen häufig noch jetzt ein kleines Bächlein die früheren gewaltigen Wasserstraßen repräsentirt, welche sich durch dieselben in das stille Meer ergossen haben müssen.

Es ist nicht schwer zu errathen, durch welche Vorgänge von der hohen Cordillera herab solche Wassermengen gekommen sind, ja selbst die Gegenwart giebt erklärende Beispiele hiezu, wenn gleich nicht in dem kolossalen Maßstabe jener vergangenen Zeit.

Nach Hebung der Andes-Kette war ohne Zweifel ein Zeitpunkt längerer Ruhe eingetreten und die mächtigen Gipfel und Höhen bedeckten sich mit Schnee und Gletschereis, wie es noch heute der Fall ist. Aber die, man kann sagen dichtgedrängte Reihe von Vulkanen, in jener Zeit wohl noch zahlreicher als jetzt, verharrte nicht immer in jener Ruhe, und massenhafte Ausbrüche erfolgten von Zeit zu Zeit. Es ist bekannt, daß selbst in unsern Tagen bei dem Ausbruche eines einzelnen Vulkanes sich elektrische Anhäufungen oberhalb desselben in der Luft ansammeln, Gewitter entstehen, Gußregen auf den Berg herabstürzen, und ist derselbe mit Schnee bedeckt, oft Ueberschwemmungen in der Nachbarschaft verursachen. Denkt man sich aber jene Masse von mächtigen Feuerbergen, welche ohne Zweifel vereint, oder doch wenigstens in größerer Menge und bedingt durch ein und dieselbe unterirdische Reaction, gleichzeitig zu arbeiten begannen, denkt man sich die Masse der Elektricität, welche sich so entlangs eine größere Strecke der Cordillera oberhalb derselben angesammelt, und Wolkenbrüche auf dieselben herab ergossen, nimmt man hiezu noch eine sehr wahrscheinliche Erwärmung der mit Schnee bedeckten Außenseite der Krater an, so ist leicht erklärt, wie plötzlich mit reißender Schnelle, theils durch die meteorischen Niederschläge, theils durch geschmolzenes Gletschereis bedingt, solche mächtige, Alles zerstörende, allenthalben sich Bahn brechende Wassermassen über das Land sich ergießen konnten. Die tiefen Thäler der Andeskette, auch heute von Flüssen durchströmt, welche einzig dem Gletschereise ihren Ursprung verdanken und deren zeitweiliges Anschwellen durch analoge Ursachen, wie die oben angeführten, bethätigen vollständig das so eben Ausgesprochene.

Dem freundlichen Leser, welcher vielleicht kein besonderer Freund geognostischer Studien, sich gelangweilt hat bei diesen Notizen, kann ich leider kaum ein kleines Reiseabenteuer bieten, was ihn entschädigen möchte.

Flüchtiger daher noch, als ich selbst im Galopp jene Strecke zurückgelegt, will ich ihn, nun er die Gegend kennt, oder wenigstens doch eine leichte Skizze derselben erhalten hat, durch dieselbe hinweg und nach Santjago führen.