In seinem Familienleben war Rabeh von patriarchalischer Strenge. Er hatte mehrere Frauen. Es scheint, dass er verschiedentlich Töchter überwundener Fürsten selbst heiratete oder seinen Söhnen zu Frauen gab. Wir sahen, dass sein ältester Sohn die Tochter des Schech Muhammed es Senussi von Kuti heiratete und dass eine seiner eigenen Frauen die Tochter des Sokoto-Prinzen Haiatu war. Ausser den vor dem Kadi angetrauten Frauen, deren der Muhammedaner bekanntlich vier gleichzeitig haben darf, besass Rabeh noch zahlreiche Sklavinnen. Das Frauenabteil seines Hauses soll gegen 1000 Personen beherbergt haben.
Von den Söhnen Rabehs sind drei bekannt geworden, Fadel Allah, Niebe und Mahmud. Jedenfalls ist Fadel Allah der Lieblingssohn Rabehs gewesen. Schon seit langer Zeit war er als sein Nachfolger bestimmt und wurde als solcher behandelt. Niebe, den die Franzosen als besonders gefährlich schildern, wurde später in den Kämpfen mit den Franzosen bei Kusseri schwer verwundet und dürfte, wiewohl er das Pferd wieder besteigen konnte, ein Krüppel geblieben sein. Es heisst, dass Niebe sich einmal mit einer Frau aus dem Harem seines Vaters vergangen habe, und dass Rabeh seinen Sohn deswegen öffentlich habe auspeitschen lassen. Der dritte Sohn Rabehs, Mahmud, muss gegenwärtig etwa 12 oder 13 Jahre alt sein. Fadel Allah besass zwei Söhne, Muhammed, den die Tochter des Herrn von Kuti, namens Hadja, ihm geboren hat, und Abdul Medjid, dessen Mutter eine Bornufrau war. Die einzige bekannt gewordene Tochter Rabehs, Haua, eine energische und kriegerische Frau, war dreimal verheiratet. Ihr zweiter Gatte war, wie erzählt, Haiatu, Rabehs Schwiegervater. Als dieser später von den Leuten Rabehs getötet wurde, heiratete sie den Führer eines Fähnleins, Hibid (Abed), der aus Numro im südlichen Wadai stammt.
Rabeh ist stets ein Soldatenfürst gewesen und geblieben. Sein Heer war in 20 Abteilungen geteilt. Wie im Mittelalter die „Fähnlein“, so unterstand jede einzelne Abteilung einem selbständigen Führer, der eine eigene Fahne besass, auf welcher sein Name in arabischer Schrift nebst frommen muhammedanischen Sprüchen, aus buntem Tuche ausgeschnitten, aufgenäht war. Das Banner und die Abteilung selbst wird Alam genannt. Jeder einzelne Soldat war mit einer Beschreibung seines Gewehres in ein Register eingetragen. In den grösseren Garnisonorten waren einzelne Befehlshaber mit ihren Truppen einquartiert, während das Gros sich an dem Hoflager Rabehs in Dikoa befand. Ein Teil der Bannerführer ist in den letzten Kämpfen von den Franzosen getötet oder gefangen worden. Die Namen der Unterführer Rabehs sind von Gentil, welchem demnächst die Aufgabe zufiel, das Reich Rabehs zu zertrümmern, aufgezeichnet und mir in freundlicher Weise zur Verfügung gestellt worden. Es waren dieses 7 Djellaba: Babigir (Abu Bekr), Osman Schecho, Gadem (Guddam), Djebarra, Siddik, Hibid, Tar; 2 Kresch: Kapsul (Abu Kapsul) und Tchokko; 2 Araber: Ith und Schech Dahab, letzterer aus dem Wadai vom Wadi Salamat; 1 Djengi: Serrur; 4 Leute aus Bornu: Beschara, El Hadj Gombo, Scherif Adjila und Abba Gaua.
Die Truppen wurden regelmässig gedrillt, dabei mag es wohl ähnlich zugegangen sein, wie bei den früheren egyptischen Regimentern im Sudan, in denen Rabeh selbst gross geworden war, und aus deren Reihen die meisten seiner Offiziere hervorgegangen waren. Jeden Freitag hielt Rabeh eine Parade über die in seinem Lager vereinigten Leute ab, und er machte die Offiziere persönlich für die Fehler, die er fand, so z. B. für schlechtes Halten der Waffen, verantwortlich; er strafte aber in einem solchen Falle den Offizier mit Prügeln und überliess ihm die Züchtigung seiner Untergebenen.
Die Zahl der Truppen, die Rabeh vor seinem Zusammenstoss mit den Franzosen besass, ist sehr verschieden geschätzt worden. In Egypten glaubte man, dass Rabeh mindestens über 30000 Mann verfügt habe, wovon etwa 8000 mit Gewehren bewaffnet, die allerdings fast zur Hälfte nur Schrotgewehre gewesen seien. Nach französischer Berechnung betrug die reguläre Infanterie Rabehs etwa 4000 Mann, in 20 Kompagnien eingeteilt, mit Gewehren bewaffnet, wovon 1500 Repetiergewehre, und ausserdem etwa 15000 Lanzenträger und 4000 Reiter, die vorwiegend zum Aufklärungsdienst verwendet wurden und während des Kampfes absassen. Ich glaube nicht fehlzugehen, wenn ich die mit Schiesswaffen ausgerüsteten Kerntruppen auf 4- bis 5000 Mann berechne. Die Artillerie Rabehs war schwach. Er besass eine Anzahl vor allem in Kuka erbeuteter alter Kanonen und Wallbüchsen. Dennoch wussten einzelne seiner Leute die modernen Geschütze zu bedienen, die ihm bei den Kämpfen mit Bretonnet in die Hände fielen.
Seit jeher war die Beschaffung von Feuerwaffen und Munition eine der Hauptsorgen Rabehs und eine der für seine ganze Eroberungs- und Handelspolitik maassgebenden Erwägungen. Aus dem egyptischen Sudan und von Norden her über Tripolitanien, wahrscheinlich auch von Westen her durch Händler, welche mit der Royal Niger-Company in Verbindung standen, hat er zu verschiedenen Zeiten gute Präcisionswaffen erhalten. Alle im Kampf erbeuteten Gewehre mussten dem Oberanführer abgeliefert werden. Durch die Niedermachung der Crampel’schen und später der Bretonnet’schen Kolonne hat Rabeh sich mehrere hundert französische Hinterlader verschafft. Im Kampfe wurde jedem Gewehrträger ein weiterer Mann beigegeben, der nach dem Tode des Schützen dessen Waffe an sich zu nehmen und den Kampf fortzusetzen hatte. Das unnötige Abschiessen einer Kugelpatrone im Frieden wurde mit dem Tode bestraft.
Unter Rabehs Leuten befanden sich Büchsenschmiede, welche Steinschloss- und Luntenflinten in Präcisionsgewehre für Zündhütchen umzuwandeln und überhaupt die Gewehre in jeder Beziehung auszubessern imstande waren. Die abgeschossenen Metallhülsen der Kugelpatronen wurden sorgfältig gesammelt und aufbewahrt, um wieder frisch gefüllt zu werden. Die neuen Kugeln wurden meist aus Zinn, Zink oder Eisen hergestellt. Pulver soll übrigens auch im Lager selber hergestellt worden sein, das allerdings viel weniger weittragend als das europäische war. In Dikoa ist ein Pulvermagazin bei der Einnahme der Stadt durch die Franzosen in die Luft gesprengt worden. Die Rabeh’schen Basinger werden als gute Schützen geschildert. Die Feuerdisciplin scheint auch nach dem Zeugnis der Franzosen hervorragend gewesen zu sein.
Zu dem Tross der Basinger gehörten regelmässig zahlreiche Weiber und Kinder. Einzelne der Offiziere Rabehs sollen bis zu 80 Weiber gehabt haben. Naturgemäss macht die Ernährung einer solchen Menge keine geringen Schwierigkeiten. Die Mitnahme der Frauen bedeutet übrigens nach afrikanischen Begriffen keine Schwächung des Heeres. Die Frauen helfen den Truppen im Lager, bei den Transporten u. s. w. Die erbeutete Sklavin folgt ihrem Herrn ohne Widerstreben, und der Basinger pflegt seine Frauen und Kinder bis auf das äusserste zu verteidigen, ein Umstand, der zum Ausharren im Kampf und zum Zusammenhalt der Truppen nicht wenig beiträgt.
Rabeh scheint nach seiner Festsetzung in Dikoa zunächst bemüht gewesen zu sein, ein gutes Verhältnis mit seinen mächtigen Nachbarn anzuknüpfen, vor allem, um seinem Reiche eine gedeihliche Handelsthätigkeit zu ermöglichen. Als solche kamen im Grunde für ihn nur zwei in Betracht: im Westen Sokoto, im Osten Wadai. Bei dem westlichen Nachbar Sokoto hatten seine Bemühungen anfänglich Erfolg, wenigstens blieben die Handelsbeziehungen zwischen Bornu und Sokoto zunächst dieselben wie früher. Dem Sultan Jussuf von Wadai sandte er ein höfliches Schreiben und eine ganze Anzahl ausgesucht schöner Sklavinnen aus dem Bestande des in Kuka in seine Hände gefallenen Harems des Sultans Haschem. Aber Jussuf schickte die Geschenke zurück und liess den Brief unbeantwortet. Ein Brief an den Schech der Senussi soll gleichfalls ohne Antwort geblieben sein.