Reibell kehrte nunmehr um und kam am 13. Mai 1900 nach Dikoa zurück.[56] Am 15. und 16. Mai wurde der Rückmarsch nach dem Schari begonnen, und am 22. Mai befand sich die Truppe wieder auf dem rechten Schari-Ufer. Gegenüber Kusseri wurde hier das Fort Lamy als Centralpunkt des Schari-Bezirks errichtet. Zwei weitere befestigte Posten wurden am Schari in Mandjafa (Fort de Cointet) und Busso (Fort Bretonnet) angelegt. Der grösste Teil der Offiziere und Mannschaften der „Mission saharienne“ wurde durch die französische Kongo-Kolonie nach der Heimat gesandt. Die Expedition Joallands blieb noch eine zeitlang zur Verfügung Gentils und trat alsdann durch Bornu über Dikoa, wieder durch deutsches und sodann durch englisches Gebiet marschierend, den Rückweg nach Zinder an, wo sie am 10. Juli anlangte und von wo aus sie erst nach Eintreffen einer weiteren bedeutenden französischen Truppenmacht, die zur Verstärkung der Besatzung von Zinder vom Westen geschickt worden war, über Say die Rückkehr fortsetzen konnte. Gentil hatte Joalland bis nach Dikoa begleitet. Am 25. August trat er von Fort Lamy aus über den Schari und Kongo die Rückreise nach Paris an. In Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um die koloniale Sache Frankreichs wurde er zum „Gouverneur des Colonies“ ernannt.
Das ganze Gebiet vom Niger bis zur Schari-Mündung, den Tschadsee im Norden umspannend, erhielt nunmehr eine Organisation. Zinder wurde das Centrum eines eigenen Territoire militaire. Das Gebiet im Süden des Tschadsees innerhalb der französischen Kongo-Kolonie wurde in zwei Bezirke eingeteilt, die südliche Région civile du Haut Chari, einschliesslich Kuti mit dem Flusse Wa oder Nahr Sarra als Nordgrenze, und im Norden davon das Territoire militaire du Bas Chari.[57] Zur Vertretung Gentils, dem das gesamte Schari-Gebiet unterstellt war, wurde der Oberstleutnant Destenave ernannt, und diesem gleichzeitig das Kommando über das Territoire militaire du Bas Chari übertragen. Bis zur Ankunft Destenaves in Fort Lamy führte hier Robillot den Oberbefehl über die französischen Streitkräfte im Schari-Bezirk. Diese bestanden aus drei Kompagnien Infanterie und einer von einem der „Mission saharienne“ zugehörigen Spahis-Offizier, Leutnant de Thézillat, aus Arabern der Umgegend und Rabeh’schen Flüchtlingen einexercierten Schwadron Kavallerie.
Übrigens beliessen die Franzosen in den neu eroberten Gebieten möglichst die angestammten Fürsten als die eigentlichen Regierenden des Landes, die natürlich unter strengste Aufsicht genommen wurden. In Baghirmi konnte Gauranga wieder zu seinem Rechte gelangen. Statt der bisherigen schweren Steuer, die an Rabeh und auch noch an Wadai zu zahlen war, wurde ihm ein mässiger Tribut an Vieh und Getreide im ungefähren Werte von 42000 Francs jährlich auferlegt. Das rechte Schari-Ufer und das südliche Ufer des Tschadsees wurden in direkte französische Verwaltung genommen.
Im Gebiete von Kanem im Osten des Tschadsees war von Joalland ein Schutzvertrag mit dem Araber Chalifa Djerab geschlossen worden, der zum Gesamtschech des grössten Teils von Kanem gemacht wurde, allerdings mit dem Vorbehalt, dass ihm erst später zu der thatsächlichen Herrschaft in diesem Gebiete verholfen werden solle. Ferner war die Unterwerfung der Leute von Dekena und Assala im Süden von Kanem angenommen worden, die bisher sowohl Rabeh als Wadai tributpflichtig waren, und endlich waren Beziehungen mit zwei Schechs der Waled Soliman-Araber, Reuss und F’dinn, im Nordosten des Tschadsees in der Landschaft Schitati angeknüpft worden. — Eine Machtentfaltung durch eine dauernde Niederlassung zwischen Zinder und der Schari-Mündung, also im Norden und Osten des Tschadsees, war noch nicht erfolgt.
[49] Vergl. Bulletin du Comité de l’Afrique française, 1899, S. 383 und 422.
[50] Vergl. unten S. 116. Von einem Mudjabera-Kaufmann wurde mir berichtet, die Waled Soliman und andere Stamme von Kanem hätten sich zu der Zeit, als er gerade in Mao und im Gebiete der Dekena sich befand, noch nicht schlüssig gemacht, wie sie sich den Weissen gegenüber verhalten sollten. Währenddem seien die Fremden weiter nach dem Süden marschiert und unbehelligt geblieben.
[51] Vergl. Bulletin de la Societé de Géographie, 1901, S. 396 ff.
[52] Der Deputierte Dorian, welcher vom Mittelmeer aus der Expedition sich angeschlossen hatte, blieb in Zinder zurück und marschierte am 4. März 1900 mit einigen Leuten der Garnison von Zinder nach Say am Niger, das am 23. April erreicht wurde, und sodann auf dem Westwege heimwärts
[53] Vergl. Bulletin de la Société de Géographie, 1901, S. 364; Bulletin du Comité de l’Afrique française, 1900, S. 266, 354.
[54] Vergl. Bulletin du Comité de l’Afrique française, 1900, S. 341.