| Meine Hôtelrechnung betrug für 2½ Tage — Zimmer, Verpflegung und Getränke | 16 | Yen | = | 19·— | fl. |
| Die Ueberführung der Fracht vom Schiff in's Hôtel und von da zum Bahnhof sammt allen Trinkgeldern | 7 | " | = | 8·40 | " |
| Zwei Einladungen an verschiedene Herren | 10 | " | = | 12·— | " |
| Die Eisenbahnfahrt nach Kioto sammt Fracht | 3½ | " | = | 4·20 | " |
| Im Ganzen | 36½ | Yen | = | 43·60 | fl. |
In Indien, China und Japan ist der englische Gebrauch eingeführt, dass man bei den Mahlzeiten die genommenen Getränke auf eigene Zettel zu schreiben hat, dieselben werden dann, mit den Preisen versehen, der Hôtelrechnung beigelegt und in diese eingerechnet, eine Gepflogenheit, welche für den Reisenden die Annehmlichkeit hat, nicht nach den Mahlzeiten zahlen zu müssen.
B. Aufenthalt in Kioto.
Am 6. April kam ich Nachmittags in Kioto an und liess mir sofort mein Gepäck in das »Kioto-Hôtel« bringen, wo mir zu meiner Ueberraschung mitgetheilt wurde, dass kurz vor meiner Ankunft bereits der Secretär des Gouverneurs im Hôtel vorgesprochen hatte, um mir seinen Besuch zu machen.
Als am 7. April, um 9 Uhr Morgens, der Secretär abermals bei mir erschien, sprach ich ihm hierfür meinen verbindlichsten Dank mit dem Beifügen aus, dass ich demnächst den freundlichen Besuch erwidern werde. Derselbe wehrte indess meinen Besuch verlegen ab und trug sich unter Einem an, mir die Sehenswürdigkeiten von Kioto zu zeigen. Sein Anzug bestand aus einem japanischen seidenen Ober- und Unterrocke, Holzsandalen und einem europäischen braunen Hute. An den beiden Vormittagen des 7. und 8. April machten wir zusammen, jeder mit einem Rikscha fahrend, Rundfahrten in der Stadt und besichtigten dabei neun verschiedene Tempel und Klöster, sowie etliche Verkaufshallen.
Da die Tempel und Klöster sich mehr oder weniger ähnlich sind, so will ich vorerst eine allgemeine Charakteristik derselben geben und daran die besonderen Eigenthümlichkeiten des einen oder des anderen Tempels oder Klosters anschliessen.
Alle Tempel nehmen grosse Räume ein, welche von Planken eingeschlossen sind. Ein oder mehrere grosse Prachtthore aus Holz, mit kunstvoll japanisch geformten Dächern, eröffnen den Eingang in den den Tempel umgebenden Raum. Im Innern dieses abgeschlossenen Raumes erhebt sich der in sehr grossen Dimensionen und mit Pracht erbaute Tempel oder das Kloster, daneben befinden sich noch mehrere Wohnhäuser und Gartenanlagen mit viele hundert Jahre alten Bäumen. Alle Gebäude, sowie der Tempel selbst sind aus Holz aufgeführt. Stufengänge in der Breite der Tempelfront, oder auch den Tempel ganz umgebend, führen hinauf in einen sehr grossen und sehr reich ausgestatteten Saal, welcher in der Mitte durch ein geschnitztes Geländer oder ein schönes Gitter abgetheilt ist. Hinter dieser Abtheilung steht der Hauptaltar und meist auch Seitenaltäre, besonders der erstere im prachtvollen Schmucke. Vor dem Hauptaltare brennt ein ewiges Licht, und in der Mitte desselben befindet sich in einem versperrt gehaltenen, prächtig ausgestatteten Schreine die Figur eines der vielen Heidengötter. Ein solcher Schrein wird nur zu bestimmten Zeiten oder nach gewissen, oft jahrelangen Fristen geöffnet.
Mauerwerk und Steine kommen bei den Tempeln und bei allen Gebäuden, welche zu demselben gehören, nicht vor. Selbst die grossen, mächtigen Säulen am Eingange oder im Innern des Tempels bestehen aus Holz.
Die Klöster, welche öfters den Tempeln angeschlossen sind, weisen viele Säle auf, deren Böden mit schön gearbeiteten Rohr- oder Binsenmatten belegt sind. Die Wände dieser Säle sind mit guten, hie und da interessanten Malereien, welche dem Leben der Natur entnommen sind, vollkommen bedeckt und zeigen manchmal im oberen Theile schöne Holzschnitzereien, die Plafonds sind mit kunstvoller Holzarbeit oder auch mit Malereien geschmückt; sonst stehen die Säle gänzlich leer. Die, die Wände rings umgebenden Fenster und Thüren sind, wie in allen japanischen Räumen, verschiebbar.
Beim Eintritte in die Tempel und Klöster müssen an der untersten Stufe die Schuhe zurückgelassen werden, eine Bestimmung, welche den Japanern, die nur Holzsandalen tragen, keine Unannehmlichkeit verursacht, welche aber für den schuhetragenden Europäer recht zuwider ist. Mitunter kann diese Vorschrift dadurch umgangen werden, dass man sich über die Schuhe grosse Leinensocken binden lässt.