Das 300 Jahre alte Kloster Chion-in steht in der Mitte von zur Zeit blühenden Kirschenbäumen und hat an den Wänden besonders künstlerisch ausgeführte Bilder; ausserdem besitzt es einen freistehenden Glockenthurm. Die in demselben hängende Glocke hat 3 m Höhe, gegen 3 m Durchmesser und 30 cm Dicke. Um die Glocke zum Erdröhnen zu bringen, wird ein 25 cm dicker Baumstamm, welcher an Stricken befestigt ist, in Schwingung gebracht und dann mit Wucht gegen die Glocke angestossen.

Neben dem Kyomizu-dera-Tempel steht eine Pagode, welche, vier übereinander befindliche Hütten mit japanischen Dächern bildend, hoch emporragt. Der Altar dieses Tempels wird nur alle 33 Jahre geöffnet. Von diesem, sowie von dem erstgenannten Tempel aus geniesst man eine sehr schöne Aussicht auf die tief liegende Stadt und auf die Umgebung.

In dem San yü san gen do-Tempel erblickt man tausend nebeneinander gestellte Figuren ein und desselben Gottes, welche alle in Menschengrösse aus Holz geschnitzt, reich mit Gold verziert und mit je 50 Armen und Händen versehen sind, die bei jeder Figur eine andere Stellung haben.

Der Kodaji-Tempel besitzt in dem an ihn anstossenden Kloster sehr gute Wandbilder und einen sorgfältig gepflegten Park.

Im Daibushu-Tempel ist eine Riesenbronzestatue von Buddha's Oberkörper errichtet, und nebenan ein Glockenthurm erbaut. Die Höhe dieser Statue beträgt 20 m, die Länge des Gesichtes 10 m, die Breite 7 m und die Länge der Nase 3 m. Die Glocke hat 4½ m Höhe, 3 m Durchmesser und 30 cm Dicke, und wird, so wie oben beschrieben, zum Erdröhnen gebracht.

Der Ost-Honganji-Tempel hat neben sich ein Kloster, dessen grösster Saal 40 m lang und 25 m breit ist. An seinen reich mit Gold verzierten Wänden und auf dem schön geschnitzten Holzplafond sind Malereien angebracht, in welchen die Chrysanthemform, welche sich im kaiserlich japanischen Wappen befindet, hauptsächlich zur Geltung kommt.

Der West-Honganji-Tempel ist der grösste Tempel von ganz Japan, er misst 70 m in der Länge, 60 m in der Breite und 40 m in der Höhe, und wurde nach dem im Jahre 1864 stattgefundenen Brande ganz neu aufgebaut. Derselbe zeichnet sich durch selten schöne Bronzelaternen und Holzschnitzereien aus.

In Japan brennen, des allgemeinen Holzbaues halber, die Tempel, ja oft ganze Stadttheile häufig ab.

Die Jakashimarja- und Nishimura-Tempel sind im Innern sehr reich vergoldet und besitzen mit schwarzem Lack und Gold prunkvoll verzierte Altäre.

Zu der Besichtigung der Tempel und zu meinen sonstigen Unternehmungen in Kioto hatte ich auch den mir vom Dampfschiffe aus bekannten, sehr netten Dr. F., der mit mir im selben Hôtel wohnte, eingeladen.