Hatte heute Besuch von dem Kommandanten der Möwe, Herrn Korvetten-Kapitän Böters. Bertha ist, Gott sei Dank, ganz munter. Die Pferdekur hat wenigstens geholfen. Wir sind zu heute Nachmittag von der Offiziermesse auf die Möwe eingeladen.
d. 31. Juli.
Gestern Nachmittag haben wir an Bord des Kriegsschiffs Kaffee getrunken. Das Hinterdeck war rings mit Flaggen behängt, die Tische auf das anmutigste mit Grün und Blumen geschmückt. Schmucke Matrosen bedienten uns und reichten zitternd Sahne, Zucker etc. herum. Ich frug den Kapitänlieutenant, ob Matrosen denn auch nervös werden könnten. Er versicherte mir aber beruhigend, diese zitternden Hände seien der ehrfurchtsvollen Scheu zuzuschreiben, mit welcher das nur in ganz seltenen Fällen hervorgeholte beste Porzellan gehandhabt würde. Dazu spielte die Schiffskapelle deutsche Weisen.
Die Möwe fährt Mitte August nach Süden und Herr Korvettenkapitän Böters hat mir versprochen, uns mitsamt unseren Sachen bis Dar-es-Salaam zu bringen, wenn dort Aufenthalt gemacht werden soll, was er nicht genau weiß. Er riet mir übrigens dringend, nicht gleich in Dar-es-Salaam, sondern erst in Zanzibar selbst, wo mir ärztliche und materielle Hülfe zu Gebote stände, mit dem Krankenpflegen anzufangen. Zanzibar wird allerdings noch für längere Zeit unser Centralpunkt bleiben, aber ich hoffe bei genügender Unterstützung, von hier aus nicht nur in Dar-es-Salaam, sondern nach und nach auch an den anderen Vertragshäfen Pflegestationen einrichten zu können.
d. 2. August 1887.
Heute hatte unsere Hotelwirthin, Madame Chabot, Besuch von drei vornehmen Araberinnen. Diese hatten ihr Kommen rechtzeitig ankündigen lassen und die entsprechenden Vorkehrungen wurden mit peinlicher Sorgfalt getroffen. Die Franzosen boten sich an spazieren zu gehen; Herr Schröder, der ermüdet war und einen Mittagsschlaf zu thun gedachte, ließ sich gutwillig in seinem Zimmer einriegeln; der Herr des Hauses, Mr. Chabot, faßte unten in der Hausthüre Posto, um jedem etwa eindringenden Wesen männlichen Geschlechts den Weg zu weisen. Am Ende der viel erwähnten Gallerie ist ein fast immer verriegeltes Pförtchen und dies communiciert mit der nicht zum Hotel gemachten Hälfte des Palastes, in dem die Araberinnen wohnen. Nachdem nun also das Terrain von den gefährlichen Europäern gesäubert war, – die Schwarzen durften als Wesen untergeordneter Art gegenwärtig bleiben – öffnete sich das geheimnisvolle Pförtchen und es erschien ein ganzer Zug von Frauen. Voran die drei reichgekleideten noch jungen Damen in Begleitung einer lebhaften kleinen Alten, die eine Art Ehrendame zu sein schien und gefolgt von einer großen Zahl schwarzer Sklavinnen in arabischer Tracht. Die Damen stelzten langsam daher auf zwei Zoll hohen perlmuttereingelegten Holzschuhen, die sie nur mit zwei Fußzehen mittelst eines dazu angebrachten Griffes am Fuße festhielten. Sie entledigten sich dieses Fußgestelles sowie sie im Salon Platz nahmen. Wir saßen um einen runden Tisch den Araberinnen gegenüber, tranken Mandelmilch und unterhielten uns so gut es ging. Die hölzernen mit Perlmutter eingelegten Masken behielten die Damen vor dem Gesicht, so daß man bis auf die schönen Augen von den Gesichtszügen nicht urteilen konnte. Ihre mit schwerem Goldschmuck beladenen Arme und Beine, – letztere nur bis an die Knöchel von seidenen Beinkleidern bedeckt – waren schön geformt, Hände und Füße reizend, die Bewegungen langsam und vornehm. Im übrigen sahen die Damen mit ihren sanften, schwermütigen Augen aus, als ob sie geistig schliefen, was sie vermutlich auch thaten. Nach einer halbstündigen sehr primitiven Unterhaltung bestiegen die Schönen wieder ihr Schuhwerk, drückten uns der Reihe nach mit verbindlichem Abschiedsgruß die Hand und wanderten in feierlicher Prozession nach dem Mauerpförtchen zurück. Der Riegel von Herrn Schröder's Stubenthür wurde fortgeschoben und das Hotel stand den Gästen wieder offen.
d. 3. August.
Heute kam Ramassan und brachte mir ein Billet von Herrn Dr. Peters, das sichtlich in starker Erregung abgefaßt worden und diesen Inhalt hat:
»Eben läuft die Nachricht ein, daß Baumeister Wolf am Fieber gestorben und Sonnabend beerdigt ist. Es ist, als ob die Gottheit anfinge, gegen uns Front zu machen.«
C. P.