d. 28. Nov. 1887

Die Regenzeit ist in diesem Jahre spät eingetreten und dauert lang. Dabei herrscht eine Hitze, die selbst für Zanzibar ungewöhnlich sein soll. Dr. Marseille erzählt, es sei in der Stadt jetzt fast in jedem Hause Fieber. –

Aus Berlin schreibt man mir, ich solle meinen Haushalt hier sofort auflösen, mich mit den Sachen direkt nach Pangani begeben und dort an die Einrichtung einer Pflegestation gehen. In Zanzibar werde die evangelische Missionsgesellschaft ein Krankenhaus einrichten und ich solle ihr die Thätigkeit hier allein überlassen.

Ich sprach mit den hiesigen Autoritäten über eine eventuelle Reise per Dau nach Pangani und über die Quartierverhältnisse dort. Da der herrschende Nordostmonsum das Segeln nach dem nördlich von Zanzibar gelegenen Pangani äußerst schwierig macht, und da in Pangani überdies gegenwärtig nicht der bescheidenste Raum für uns vorhanden ist, muß ich die Reise dorthin bis zum April oder Mai aufschieben. Vorderhand bin ich auch durch meinen Kranken ans Haus gefesselt.

d. 2. Dec. 1887

Wir haben wieder einen Kranken aufgenommen, und es ist diesmal ein ernster Fall. Herr Stephens, ein junger Hamburger, der in Angelegenheiten des Hauses Ww. O'Swald und Comp. die Somaliküste bereist hat und auf demselben Schiff wie mein Bruder hierher zurückgekehrt ist, erkrankte bereits unterwegs, ohne daß der Kapitän, ein Graf Pfeil, oder mein Bruder die Ursache seines Leidens zu erkennen vermochten. Heute Morgen ist er auf einer Krankentrage hierher gebracht worden. Da die evangelische Missionsgesellschaft noch kein Haus gemietet hat, also ihre Thätigkeit hier noch nicht beginnen kann, durfte ich ruhig den Patienten aufnehmen, ohne mir den Vorwurf zuzuziehen, in die Rechte jener eingegriffen zu haben. Herr Dr. Marseille erklärt das Leiden für ein bösartiges Geschwür im Unterleib. Der Kranke hat Tag und Nacht heftige Schmerzen und kann es in liegender Stellung kaum aushalten. Dabei ist er ein Muster an Geduld und Sanftmut. Ich habe noch kein Wort der Klage aus seinem Mund gehört.

d. 4. Dec. 1887

Herr Dr. Peters ist mit dem Nautilus nach Norden gefahren, um den Stationen Pangani, Deutschenhof u. s. w. einen Besuch zu machen. Ich werde dann wol auch die erwünschten Details über die Quartierverhältnisse in Pangani zu hören bekommen. Herr Stephens ist sehr krank. Er hat ununterbrochenes langsam, aber stetig steigendes Fieber, eine Folge der örtlichen Entzündung. Heute habe ich den Marinearzt auf der Möwe, Herrn Dr. Koch, bitten lassen, Herrn Dr. Marseille mit seiner Meinung zu unterstützen, da es sich um Leben und Tod handelt. Beide Herren Ärzte kamen in dem O'Swald'schen Wagen bei strömendem Regen angefahren, so daß, als sie eintraten, die langen Mäntel trieften. Herr Dr. Koch fragte den Kranken aus und besprach sich längere Zeit mit dem Pariser. Er ist der Ansicht, daß nur eine Operation den Patienten retten kann. Herr Dr. Marseille stimmte bei, gab aber zu bedenken, daß diese Operation selbst gefährlich sei. Herr Dr. Koch, der ebenso entschieden ist, wie der Andere vorsichtig, zuckte die Achseln und sagte: »wir haben keine Wahl.« Nachmittags kam Herr Dr. Koch noch einmal allein, untersuchte den Kranken aufmerksam und ersuchte mich, einige ihm wichtig scheinende Änderungen in betreff der Behandlung vorzunehmen.

Herr Frey ist sein Fieber glücklich los und durfte schon im Garten umherspazieren zu seiner großen Freude. Wir glaubten ihn bald entlassen zu können, statt dem stellte sich ein anderes Leiden bei ihm ein, was ihn vermutlich noch einige Wochen ans Bett fesseln wird. Es ist eine Leistengeschwulst, unter der die Europäer hier vielfach zu leiden haben, und die, wie ich glaube, durch zu rasches Gehen verursacht wird. Ohne bedenklich zu sein, kann das Leiden recht schmerzhaft werden und erfordert meist einen operativen Eingriff. Herr von St. Paul, mein Bruder, Herr Lieutnant Giese und Andere haben viel damit zu thun gehabt.

d. 8. December 1887