Nun ist Pastor Greiner mit seiner Frau und Nichte per Dau nach Dar-es-Salaam gesegelt, ein kühnes Unterfangen in Hinblick auf die Frauen, denn wir haben noch vollen Süd-Westmonsum. Der Sturmwind weht grade von der Richtung, nach welcher das Segelbot seinen Cours halten muß, es kommt daher unter beständigem Kreuzen im besten Fall nur sehr langsam von der Stelle, und die Reisenden riskieren, tagelang in dem schmutzigen, cajütenlosen Segelboot auf den Wellen herumgeworfen zu werden. Was mich betrifft, so würde ich mich einer Daureise gegen Wind und Wellen nur im äußersten Notfall aussetzen. Ich habe die Ärmsten mit inniger Teilnahme zur Einschiffungsstelle begleitet, wo sie, der Ebbe wegen, auf den Schultern schwarzer Lastträger nach dem elenden Fahrzeug geschleppt wurden. Möchten sie die Reisetage erst überstanden haben!
Den 30. Juni 1887.
Gestern fanden auf der großen Wiese an der Mnasimoja turnerische Spiele statt, ausgeführt von der Mannschaft des hier liegenden englischen Kriegsschiffes zur Feier des Regierungsjubiläums der Königin von England. Wir waren in der höflichsten Form von dem englischen Generalconsulat eingeladen. Mr. Holmwood ließ Herrn Dr. Peters in seiner eigenen Equipage abholen, was Aufmerksamkeit erregte. Die ganze beau monde Zanzibars war auf der mit zahlreichen Flaggen geschmückten Festwiese erschienen.
| »Wer kennt die Völker, zählt die Namen, |
| Die gastlich hier zusammen kamen?!« |
Man sah die Vertreter der europäischen Regierungen, von Deutschland, England, Frankreich, Italien, Portugal, Belgien, wie auch von Amerika; die Vertreter der Handelsgesellschaften und kaufmännischen Firmen, die verschiedenen Missionen, die Truppen seiner Hoheit, die reichen Indier mit ihren in goldleuchtenden Seidenfetzen eingewickelten Weibern und Kindern, die ernst dreinschauenden Parsen mit Brillen auf der Nase und hohen Mützen, ähnlich denen griechischer Popen u. s. w.
Unter den Spielen interessierte mich ein Wettrennen, das zwischen englischen Matrosen und schwarzen Sultanssoldaten stattfand.
Die Schwarzen liefen gleich beim Starten die Bahn dahin wie ein Trüppchen flüchtiger Antilopen und gewannen sofort einen ganz bedeutenden Vorsprung. Bald aber blieb einer nach dem anderen zurück. Die Engländer änderten ihr weit mäßigeres Tempo nicht. Sie hatten bald die sämtlichen Schwarzen eingeholt und erreichten lange vor jenen das Ziel.
Auch mein Bruder, dessen Muskelkraft einen gewissen Ruf hat, und der turnerisch sehr gewandte Herr Consul O'Swald beteiligten sich an einigen der Spiele mit den englischen Marine-Offizieren.
Der Generalconsul, Mr. Holmwood stellte mir die beiden indischen Geldfürsten vor, die der englischen Regierung 100000 Rupies überwiesen haben, zur Errichtung eines Hospitals für Arme. Wir hatten übrigens an diesem Nachmittag die Genugthuung wahrzunehmen, daß wir Deutschen zur Zeit hier die bevorzugteste gesellschaftliche Stellung einnehmen. Die besonders gegen Herrn Dr. Peters und seine Gesellschaft offiziell bekundete Zuvorkommenheit der hier immer noch dominierenden Engländer ist geradezu staunenerregend.