„Oh, Kind, es ist ja Hedwig, Konrad Krugers, dieses Unglücklichen, Schwester.“

„Ach, wie kamt ihr denn zusammen!?“

„Durch dich, Vögelchen, durch dich! Der Bruder hatte von dir meine Adresse, um mir Grüße zu bestellen. Als der Arme gestorben war und seine Briefe ausblieben, kam sie zu mir, hoffend, ich könne durch dich sein Schweigen aufklären. So kamen Hedwig und ich einander näher. Und so danke ich einem Unglück dies späte Glück.“

„Seltsam,“ sagte Vögelchen bewegt. „Und weißt du auch, was aus dem Buch geworden ist, an dem der Arme geschrieben hat?“

„Es ist kürzlich in neuer Auflage erschienen. Du sollst es haben. Es ist der Stolz seiner Schwester. Komm zu ihr, willst du? Ich will sie vorbereiten. Es wird sie sehr erschüttern. Da höre ich Leute kommen. Könnte ich sie doch alle wegschicken und gleich mit dir plaudern, von deinem Wandern hören.“

„Tu das, Onkel Clemens. Niemand soll uns jetzt stören. Ich kaufe die Sammlung um die höchsten Preise. Ich wäre untröstlich, wenn ein anderer sie erwerben würde. Und dein schönes, altes Haus kaufe ich auch, wenn ich es erschwingen kann. Du sollst keine Sorge haben, Onkel Clemens.“

Der alte Herr geriet in freudige Aufregung. „Das wolltest du tun, du gutes Kind,“ rief er aus. „Es ist nicht leicht die Sammlung an den Mann zu bringen, deshalb habe ich sie der öffentlichen Versteigerung preisgegeben. Ja, preisgegeben allen Gaffern, der Gasse. Wie Kinder sind mir diese behüteten Dinger, um jedes habe ich meine Sorgen gehabt, jedes habe ich gehegt und gepflegt in Liebe.“

„Ja, Kinder, wie Kinder,“ sagte Arabella und ein heiliger Zorn stieg in ihr auf. Unbezwinglich ward der Wunsch in ihr, Urbachers kleine Heiligtümer vor Mannsthal zu schützen. Ja, auch ihr erschienen diese zarten Gebilde wie Kinder. Lebendig wurden die Gesichter und rührend in ihrer Wehrlosigkeit und sie spürte es, wie Adalbert sich ergötzen würde an jedem einzelnen. Aber keines, keines sollte er besitzen, an keinem sich gierig erlechzen. Und wenn es ihr halbes Vermögen kosten sollte, sie mußte ihn besiegen.

„Und nun wird er kommen,“ fuhr Urbacher, wie zu sich selbst redend, fort. „Er, der sich mir jahrelang verborgen hat, nachdem er dich mir geraubt hat, jetzt ist der Augenblick, wo er auftaucht, mir diese Opfer zu entreißen.“

„Hat er sich schon gemeldet?“