„Wenn ich dir nun sage, daß mir unendlich viel an dem Besitz liegt, willst du da mit Hilfe dieses Geldes, von dem du eben sprichst, willst du mit meinem Gelde —“
„Pfui!“ sagte Arabella und wandte sich ab.
„Sieh, Kind, du zwingst mich, so deutlich zu sein. Warum stellst du dich so feindlich, was ist plötzlich in dich gefahren?“
„Plötzlich?!“
„Ja, denn früher warst du es, die dankbar war, nicht von mir verlangtest du Dankbarkeit. Dankbar warst du mir, wie ich dir für wundervolle Stunden, Stunden, die mir nie wiedergekehrt sind, Arabella, die mich jetzt noch mit Schauern erfüllen. Nein, weiche nicht zurück, süßes Kind. Ich habe zu viel Ehrfurcht vor dieser Oase in meinem oft qualvollen Leben. Du hast mich beseligt, willst du mir jetzt einen Wunsch versagen, dessen Erfüllung dir keine Entbehrung, mir aber eine Sehnsucht stillt, die du nicht verstehen kannst. Denn sieh, Arabella,“ begann er leise, als flüstere er zu sich selbst. „Wirklich geliebt habe ich in meinem Leben nur diese blassen Frauen und Kinderbilder, die wie ein Hauch sind, daß jeder Blick schon Schändung bedeutet. Ja, die Wirklichkeit, sie ist willfährig, oder wenn sie es nicht ist, so ist sie nicht so wehrlos wie diese Gebilde, diese Opfer des Blickes! Könnte ich dir deutlicher sagen, was für himmlische Gelüste sie mir bereiten und erfüllen — —“ Seine Augen waren die eines Irren, seine tastenden Hände suchten die ihren. Eiskalt kroch es ihr an den Gliedern empor.
„Das ist ja Wahnsinn,“ sagte sie heiser vor Entsetzen.
„Ja, nenn’ es Wahnsinn, ein heiliger Wahnsinn ist es. Aber nur so sind wir glücklich, Bella. Das wahre Leben ist unerträglich. Sei behütet davor, den Mut, den Wahn aus deinem Leben zu weisen. Hast du nicht selbst dich betäubt, spieltest die Samariterin und glaubtest dem Elend abzubitten. So sei doch wieder Samariterin. Man spricht noch jetzt von dir in den Pariser Hospitälern. Wo ist deine Milde hingeschwunden? Gib, gib mir sie, die Bilder, diese süßen kleinen Elfenkinder. Gib sie mir, als hättest du sie mir geboren aus unserer Umarmung, Arabella, Ariel, süßer Ariel.“ Wieder war er ihr ganz nahe.
„Wolfgang,“ rief Arabella nun laut und befehlend, und diesmal gab die umklammerte Kehle den Laut frei.
Wolfgang trat ängstlich ein. — „Hier stelle ich dir meinen Stiefbruder vor,“ sagte sie bebend. Und zu dem Jungen: „Dies ist Herr Mannsthal. Es wird dich interessieren, ihn kennen zu lernen. Bitte, führe ihn dann zu seinem Wagen, er weiß nicht, wie das Schloß funktioniert an der Gartentüre.“ Sie war an die Bilder und Dosen herangetreten und warf ein schwarzes Tuch über einen der Tische. „Ich muß nun Vorkehrungen treffen, daß die Dinge sogleich verpackt werden und der Galerie zugestellt werden, der ich sie zugedacht habe.“
„Das wirst du nicht tun,“ rief in zornigem Schreck Adalbert.