Qu’éblouissent les feux d’un soleil monotone —“

Und Vögelchens Bild stieg in einer Gloriole auf:

„Und sei’s zur Nacht, im einsamen Gelaß,

Im Straßenlärm, im wüsten Stadtgetriebe,

Ihr Bild in Lüften strahlt mir wie die Sonne.

Manchmal da spricht es: Ich bin schön, oh laß

Vom Schönen nur dich leiten, mir zu Liebe,

Schutzengel, Muse bin ich dir, Madonne!“

Vögelchens Lippen lispelten es und sie waren bleich wie die einer Toten. Und nun hörte er die Stimme der Leroux, die heiser kreischte, und er hörte sie nicht. Marguerite hatte sich unter die Decke versteckt, kicherte und biß ihn dabei in den Arm. Er riß sich los, sprang auf und indem er mit drohender Gebärde der Leroux den Weg verstellte, schrie er: „Wenn Sie nicht schweigen, werde ich die Anzeige machen, daß Sie mir meine Wäsche gestohlen haben. Morgen verlasse ich Ihr Haus. Adieu.“ Die Frau hob die Hände, als fürchte sie, der Wütende würde sie schlagen. Sie hatte alles eher erwartet als in dem linkischen Mieter, der sich so viel gefallen ließ, einen Herrn zu erblicken, der ihr nun gebieterisch die Türe wies. Als sie draußen war, hüpfte Marguerite aus dem Bett. „Ungeheuer,“ sagte sie, „diese schmutzige Witwe! Ich suche dir eine andere Wohnung. Indessen kannst du bei mir schlafen. Da machst du noch ein Geschäft dabei.“ Als sie gegangen war, vermißte Konrad seine Uhr. Er wußte nicht, ob nicht etwa die Leroux sie rasch entwendet hatte, während der Traum ihn noch in Marguerites Armen umfangen hielt. Er packte seine Sachen, schlief dann bis gegen Mittag, bezahlte die Leroux, indem er ihr noch einen Teil der gestohlenen Wäsche abpreßte, und verließ fast mittellos das Haus. Sein erster Weg war aufs Postamt. Dort fand er ein Schreiben von Monika Gallo, die ihm mitteilte, daß sie vom Onkel Camill eine Karte aus Paris erhalten habe ohne Angabe der Adresse. Sein zweiter Weg war auf das Konsulat, um nachzufragen, ob man dort eine Stellung für ihn gefunden. Die Antwort war abweisend. Man käme nicht nach Paris ohne Mittel und Empfehlungen, man täte besser, keine Vergnügungsreisen zu machen, wenn es einem an Geld fehle. Wenn er hungere, könne man ihn schließlich in die Heimat befördern, das wäre alles, was von Amts wegen vorgesehen sei. Aber Konrad wollte nicht in jene Heimat. Seine Heimat hieß: Ariel. So wurde er denn vorderhand Zuhälter bei Marguerite Aupin.

Er hatte an Monika geschrieben und sie ersucht, bei Custoves Bekannten nachzuforschen, er schrieb an Hedwig, ob sie ihm Rat wisse, aber er verschwieg ihr seine Notlage. Um keinen Preis hätte er von Hedwig Geld genommen. Marguerite erhielt ihn. Sein Leben war nun geteilt zwischen der Bibliotheque nationale, den Kirchen, dem Luxembourggarten und den Schenken, in die er das Mädchen begleitete. Er war verliebt in Marguerite und er reizte sie, damit sie ihn schlüge. Sie hatte ihm sein letztes Geld abgenommen unter dem Vorwand, ihn zu verköstigen, was indessen nur geschah, wenn sie zusammen in Kneipen gingen. Einige Tage arbeitete er für das Mittagessen als Messerputzer in einem Gasthaus. Als es bekannt wurde, wie er zu der Aupin stünde, die dort Geld schuldig war, entließ man ihn. Das Ärgste war, daß er dabei sein mußte oder im Vorraum ihres Zimmers, wenn sie Besuch hatte. Oft hatte er das Geld entgegen zu nehmen für ihre Gefälligkeiten. Eine tierische Eifersucht hatte ihn befallen. Marguerite ließ sich kaum mehr von ihm berühren. Er sollte doch zu den „femmes à cheveux“ gehen, den Dirnen ohne Hut, und sich das Geld vorerst für sie zusammenbetteln. Einmal aber, als sie ihn weinen sah wie ein kleines Kind, blieb sie eine Nacht lang in seinen Armen. Er hatte ihr in diesen Stunden sein Leid geklagt und sie war ergriffen. Sie versprach ihm die Hilfe eines befreundeten Detektives. Indes suchte er wieder Paris ab. Die Gewißheit, daß Vögelchen ihm nahe war, machte ihn in all seiner Verblendung oft trunken vor Glück. Es war schon kalt geworden und er hatte seinen Mantel versetzt. Niemand kannte wie er die Besuchstunden der Galerien und Bibliotheken, die er zu seinen Wärmestuben erwählt hatte. Er kam als erster und die Diener rasselten schon mit den Schlüsseln, wenn er ging. Nun stand er auch wieder vor den Brasserien und sättigte sich an dem Bratenduft, der aus den Räumen drang. Manchmal trat er in einen Laden, wartete geduldig, wenn Käufer anwesend waren, und verlangte dann etwas, das man gewiß nicht bekommen konnte, nur um sich zu wärmen. Endlich brachte ihm Marguerite Nachricht von Camillo.