„Sein Vater, der Bildhauer, ist im Zuchthause,“ sagte sie. „Man hat ihn verurteilt, weil er angeblich seine eigene Geliebte getötet. Ich war zu jener Zeit mit ihm verlobt. Gaston weiß das. Begreifst du, daß seine kindische Liebe mir heilig ist, daß ich diesen Unglücklichen niemals kränken werde!“

„Oh, du liebe Gute,“ sagte Givo und freute sich, daß Celias Hand die seine warm umfing, dem alten Bund zur Bekräftigung.

Zora Uhari

Ein Wagen hielt vor Frau Givos Haus. Ein junges Mädchen sprang ab, schlug den Reiseschleier zurück, lugte durch das Gartengitter und setzte die Türklingel in Bewegung. Oben schreckte die alte Magd auf. Die Herrin schlief. Minka sah über den Balkon hinab, sah das Gefährte, von dem der Kutscher eben Koffer und Schachteln abräumte. „Gott sei gelobt, der junge Herr!“ Aber als sie unten mit dem Gärtner zusammenstieß und der Gast eben in den Garten trat, sah sie, daß es Zora Uhari war, Zora, die sie als kleines Mädchen gekannt. Wie groß war sie geworden, wie schön! Zora umarmte die alte Minka und drehte sie im Kreise umher.

„Ach, ich bin froh, bei euch zu sein; schläft die Tante?“

Die Alte hatte mit glücklichem Erschrecken des jungen Mädchens Ungestüm abgewehrt. Schläft und ist krank, sehr krank, böse Zeiten. Gut, daß du gekommen bist! Oder muß ich schon Fräulein sagen?

„Versteht sich,“ sagte Zora. „Aber sag doch, was ist’s mit Tante? Ja, das ist ja schrecklich, Minka,“ und leise flüsterte sie der Alten hinter die Haube. „Ich bin um zwei Tage früher abgefahren. Die Vorsteherin wollte, daß ich auf Begleitung warte. Da wird Tante nun am Ende noch böser sein!“

„Nein, nein, gut, daß du da bist. Wir erwarten auch den jungen Herrn und er kommt nicht. Sie spricht ganz irre. Eine böse Zeit, eine böse Zeit!“

Minka hatte Zora in das Zimmer geführt, das für sie vorbereitet war. Die legte nun Hut und Mantel ab. Man sah es ihr an, es fiel ihr schwer sich der drückenden Atmosphäre anzupassen. Sie hatte sich ihrer Freiheit gefreut. „Also sprich doch, was ist geschehen? Oder soll ich’s nicht wissen? Gehör ich denn nicht zu euch?“

„Ja, Zorachen, das ist es ja, das ist es ja,“ sagte die Alte geheimnisvoll.