„Warum sagst du das, Celia? Sie ist nicht stolz. Das liebe ich an ihr. Sie ist vor allem selbstlos.“

„Aber die Selbstlosen sind die Leichtestverletzlichen. Ihr Einsatz ist immer größer als der der anderen.“

„Wenn eine Frau von mir ginge, die ich an mein Herz geschlossen habe, ich folgte ihr nicht, ich riefe sie nicht.“

„Aus Stolz, du, Manuel?!“

„Nein,“ sagte er lächelnd, „wie kann man stolz werden an Besitz, der sich nicht erweist. Ich habe kein Besitzgefühl, das hat die Frauen oft glauben gemacht, sie wären mir wertlos. Und dies Gefühl, ihrer nicht wert zu sein, läßt mich oft die Gesellschaft der Dirnen suchen. Da fühle ich mich freier und entbehre doch nicht das Weib. Ja, ja, Celia, ich weiß, was du sagen willst, ich bin nicht undankbar. Frauen, wie du und Angele es sind, gibt es wenige. Was mich bei euch freier machte, verpflichtete mich auch. Ich konnte nur nehmen und nicht leicht nahm ich, konnte nie fordern und halten, was sich wenden wollte.“

Die Türe wurde aufgerissen, Gaston, der Sechzehnjährige, stand auf der Schwelle, er wurde rot vor Scham, als Celia erschrocken aufstand.

„Ich dachte, du wärest allein, Tante Cecile,“ sagte er. Er würdigte Givo keines Blickes.

„Das dachtest du, Gaston? Wolltest mir wohl Gute Nacht sagen?“ fragte Celia mit Milde. „Ein anderes Mal stürm’ nicht so, Gaston.“ Er küßte ihre Hand, vor Givo verneigte er sich und ging.

„Eifersucht,“ sagte Celia lächelnd. „Ich nenne ihn Nemidh mit der reinen Hand. Kennst du die Legende von der heiligen Brigitta, die einen jungen eleganten Kleriker zur Bescheidenheit bekehrt und ihm verheißt, daß er ihr die letzte Ölung spenden werde. Er hütete sich die Hand zu verunreinigen, die einst seiner Heiligen das Salböl reichen sollte, daher erhielt er diesen Namen „Nemidh“.“

„Ich fürchte, er ist ganz weltlich in dich verliebt,“ sagte Givo lachend.