„Meine Meinung wird er hören,“ pfiff die Baronin.
Auch die Admiralin war so ungehalten, daß ihr Sohn sie zu beruhigen trachtete.
„Wissen möchte ich, wer den Mut gehabt hat, ihr das Zimmer abzutreten,“ sagte der Baron. „Wissen Sie es vielleicht?“ fragte er die Kellnerin.
Da trat Vögelchen dicht heran. Sie sagte mit leiser, aber fester Stimme: „Das Fräulein hat in meinem Zimmer übernachtet.“
„Und du,“ fragte arglos Fräulein von Normayr in die peinliche Stille. „Hast du die Nacht im Walde verbracht?“
Vögelchen schüttelte den Kopf. Ihr Blick suchte den ihres Freundes, der dem ihren nur scheu begegnete.
„Nein,“ sagte sie. „Das Fräulein und ich schliefen in einem Bett.“
Die Admiralin stand auf und sagte: „Pfui, schämen Sie sich.“ Vögelchen erbleichte. Einen Augenblick hielt sie den Atem an, dann brach es aus ihr aus: „Pfui, ja pfui über Sie alle, über Ihren Hochmut, Ihre Unbarmherzigkeit.“ Erhobenen Hauptes entfernte sie sich.
Was nun folgte, war schmerzlich. Der junge Seeoffizier mied Vögelchen, die sich geweigert hatte, seine Mutter um Entschuldigung zu bitten. In einer Unterredung bat er den Doktor Urbacher, die Annäherungen an seinen Schützling zu entschuldigen. Gegensätzlichkeiten einschneidender Art nötigten ihn, den Verkehr aufzugeben, wie schwer dieser Verzicht ihn auch getroffen. Vögelchen erwiderte hoheitsvoll die Geringschätzung, die ihr von allen Seiten zuteil ward. Was Urbacher am bittersten schmerzte, war, daß sie ihm gegenüber den Vorwurf zu hegen schien, daß er sie vor den Menschen nicht gewarnt habe. Dies Erlebnis der Enttäuschung setzte Mannsthal wieder in seine Rechte ein. Zwei Tage nach diesen Begebenheiten fuhr er vor. Er hatte sich bis zur Unkenntlichkeit verjüngt. Die alljährliche Wirkung seiner Sommerkur wurde diesmal noch durch seine Bartlosigkeit unterstützt. Selbst seine Kleider hatten einen andern Schnitt. Vom neu erworbenen Wagen sprang ein weißhaariger Kammerdiener und öffnete dem Herrn, der neben ihm ein Jüngling schien, den Schlag. Merkwürdigerweise war Mannsthal über alles Vorgefallene unterrichtet. Die Auseinandersetzung, die nun zwischen ihm und Urbacher stattfand, hatte den Abbruch ihrer vertrauten Beziehungen zur Folge.