Eisige Stille folgte seinen Worten. Der Hotelier zuckte die Achseln und entfernte sich. Ihm war es ja schließlich auch lieber, wenn ein Fräulein Maquard nicht unter den Gästen seines Familienhotels erschien. Er selbst hatte sein Zimmer vermietet und wohnte in einer schlechten Mansarde.

Die Gesellschaft zerstreute sich. Die Herren waren froh unter sich zu sein. Die jungen Mädchen blieben beisammen und ließen ihrer Neugier freien Lauf.

Indessen war der junge Normayr gelandet und sogleich von den Begebenheiten unterrichtet worden. Als er nun zu Vögelchen trat, umwogte sie eine Welle von Zärtlichkeit, die aus seinen klaren Augen zu ihr ging. Sicher hatte er von ihrer rührenden, kleinen Standrede gehört. Als sie dann plaudernd auf- und abwanderten, kam Ruhe über sie.

Für den Nachmittag projektierten die Damen nicht ohne Hintergedanken einen Ausflug. Fräulein Maquard war indessen in dem Rauchzimmer untergebracht. Der Pächter war in einer verzweifelten Lage. Die Gesellschaft brach auf, ehe er nochmals an sie herantreten konnte. Auf diesem Ausflug schien sich zwischen Vögelchen und ihrem schönen Freunde eine Annäherung vollzogen zu haben, die nun manches bisher Unausgesprochene zur Wortschwelle gedrängt hatte. An diesem Abend entschloß sich Urbacher, Mannsthal von dieser Annäherung zu verständigen.

Was Fräulein Maquard betrifft, so fand man, vom Ausfluge zurückgekehrt, keine Spur mehr von ihr. Eine gewisse Scheu der Beschämung, wie sie Menschen oft befällt, wenn ihnen eine schlechte Tat gelungen, hielt die Frage zurück, wohin sich die Verunglückte gewendet habe. Die Lustigkeit, die die Gesellschaft an diesem Abend entfaltete, war nicht ehrlich. Man wollte sich über sein schlechtes Gewissen hinwegamüsieren. Selbst die Admiralsfrau von Normayr war geräuschvoll und ganz besonders liebenswürdig Vögelchen gegenüber, wohl um zu beweisen, daß sie ihre vorlaute Ansprache nicht übel genommen habe, da nun alles sich zur Befriedigung der gefährdeten Ehrbarkeit gewendet hatte.

Wie sehr erstaunte man aber, als am darauffolgenden Morgen Mila Maquard, den Arm in der Schlinge, ein wenig bleich, unter den Frühstücksgästen erschien und mit der größten Ruhe, ohne irgend jemanden zu beachten, in der guten Morgensonne, die sich nicht scheute auch sie zu bescheinen, ihr umfangreiches Frühstück einnahm.

Die Gespräche verstummten. Frau von G. schien von Gelbsucht befallen, die Mädchen wagten nicht aufzusehen, die jungen Leute sprachen lauter, als ihre Gewohnheit war, und prahlten mit bereits bekannten Ereignissen. Ein Sturm der Entrüstung brach los, als Mila Maquard die Terrasse verließ.

Urbacher war die ganze Zeit über ein wenig unruhig gewesen, weil er Vögelchen, die eine Frühaufsteherin war, vermißte. Ihr Freund, der bei ihm saß, teilte seine Unruhe. Nun kam sie, eben als der Redeschwall losbrach, langsam und verschlafen die Stufen des Hauses herab.

„Das ist unerhört,“ erklärte Frau Kommerzialrat Lobling, deren Kleid entschieden von dem Mila Maquards geschlagen worden war.

„Eine Hinterhältigkeit, eine Unverschämtheit von diesem Rösler,“ rief Frau von G.