„Willst du dabei sein?“ fragte sie der Graf. Sie schlug in die Hände vor Freude.

„Deine Toilette?“

„Ach, ich habe allerlei,“ sagte sie und sprang auf. Die Jungfer mußte rasch nach einer Maske fahnden, eine ganz kleine schwarze nur, ordnete Karinski an. Er half ihr unter ihren Abendkleidern wählen. Mit ihrem Wirbelhaar im schwarzen glitzernden Kleide sah sie wie ein blondes Teufelchen aus. Er begleitete sie in das bunte Wimmeln des Saales. Sie trennten sich lachend. Bald erblickte sie ihn fröhlich am Arme zweier Dominos. Vögelchen fühlte sich wohl hinter der Maske. Sie mischte sich ins Getriebe, fing Gespräche auf, blieb stehen und lachte mit den anderen, wenn es etwas zu lachen gab. Mehrmals näherten sich Herren, ihr die zögernde Ansprache zu erleichtern, flüsterten Koseworte. Die Frauen musterten ihren Schmuck, ihr Kleid, das der deutschen Mode noch fremd war. Wort und Blicke glitten von ihr ab. Manche der Anspielungen waren ihr neu und drollig, vieles völlig unverständlich, das aus den Gesprächen sie streifte. Sie empfand nicht Lockung sich an eines fremden Mannes Arm zu hängen, da war kein Gesicht, das ihr eine innere Welt verriet. Auch die Männer schienen Masken zu tragen. Als sie schon mehrmals den Saal durchschritten, sah sie an einer Säule gelehnt einen vornehm aussehenden Herrn stehen. Wie einsam versprengt, unbeteiligt wie sie selbst, in stillem, beschaulichem Ernst, ließ er das Treiben an sich vorüberziehen. Glitt ihm eine Maske näher heran, sagte er ihr lächelnd ein dankbares, aber abweisendes Wort, ohne ihr zu folgen. Es schien, als erwarte er eine Frau oder zöge es aus irgendeinem Grunde vor allein zu sein. Vögelchen blieb unweit von ihm stehen und forschte in seinem ebenmäßigen, noch immer knabenhaften Gesicht. Sie hatte ihn gleich erkannt, es war Franz von Normayr. Ein wenig gealtert schien er, die Haut von Seereisen gebräunt, noch heller stach der Blick, noch klarer schien die Stirne und etwas, das wie Unfehlbarkeit wirkte, schmückte noch immer die Haltung.

„Sie läßt dich warten,“ sagte Arabella mit einem leisen Beben in der Stimme, als sie eine Weile neben ihm gestanden, während sein Blick lächelnd zu ihr herabgekommen war.

„Sie ließ mich warten,“ antwortete er. „Aber nun ist sie ja gekommen.“

„Es waren so viele, die dich mitführen wollten.“

„Ich wartete auf dich.“

„Kennst du mich denn? Wie heiße ich?“

„Vögelchen,“ sagte er.

„Das ist doch kein Name,“ sagte sie erschauernd.