„Eben deshalb heißt du so, kleine Unbekannte. Es gibt Namen, die wie ein Bild sind unter Schleiern und Masken. Vielleicht ähnelst du auch einer, die man so nannte.“

„Ach geh, solch ein Name! War die denn wirklich?“ Er schwieg. „Dein Vögelchen ist wohl nur eine Ente. Nenn mich lieber Salome Maria. Den Namen las ich einmal auf einem alten Friedhof in Salzburg.“

„Aber du bist doch lebendig. Laß fühlen, ob du lebendig bist oder eine Elfe.“ Er legte mit kundigem Griff seinen Arm um ihre Taille und zog sie mit sanfter Kraft in eine der Nischen.

„Du gleichst einem jungen Seemann,“ sagte sie. „Dein Blick sieht auf das Meer.“

„Liebst du das Meer?“ fragte er.

„Ich habe einmal auf einem Leuchtturm gehaust.“

„Wie interessant,“ sagte er mit leichtem Spott. „Da warst du wohl verzaubert wie Rapunzel. Dabei siehst du so aus, als ob du in Palästen gewohnt hättest. Oder warst du des Leuchtturmwächters Töchterchen in einem anderen Leben?“

„Ja, in einem anderen Leben.“

„Erzähle mir von diesem Leben. Wo hast du denn da noch gehaust und genächtigt, als Schwalbe oder Kolibri?“

„Ich erinnere mich zunächst, in einem Kloster geschlafen zu haben. Mondschein kam zum Bogenfenster herein und die Spinnweben aus den alten Mauern waren die Gitter. Mir gegenüber über den Hof saßen im Saal Nonnen über Spitzenarbeiten gebeugt, Tag und Nacht. Es waren Mäuse im Zimmer. Kennst du den Dichter Malpasse?“