Die meisten größeren Eisgletscher liegen unmittelbar an dem Ende enger Fjorde, die sie selber im Laufe der Zeiten vermittelst ihrer starken hinausschiebenden Bewegung, unter welcher sie Massen von Kies und Steinen mit sich ins Meer hinausführen, gebildet und ausgegraben haben. Bis an das Ende dieser Fjorde kommen die Eskimos selten, — deshalb ist es nicht nothwendig für sie, sich in der Nähe der gewaltigen Endwände dieser Gletscher zu bewegen, deren launenhafte Gefährlichkeit sie nur zu gut kennen.
Es ist daher kein Wunder, daß sie, wenn sie an einen so breiten Eisgletscher wie den Puisortok kommen, an dem sie nothgedrungen vorüber müssen, ängstlich sind, obwohl der Gletscher nur eine geringe Bewegung hat.
Wie bereits gesagt, kamen wir sicher und gut an dem Gletscher vorüber, und keine abergläubische Furcht hinderte uns, in vollen Zügen die gewaltige Schönheit dieser zerklüfteten Eismassen zu genießen.
Das Fahrwasser war auch fernerhin verhältnißmäßig gut, und wir kamen schnell vorwärts. Unser Muth war im Wachsen begriffen, und wir gewannen mehr und mehr die unerschütterliche Ueberzeugung, daß uns jetzt nichts mehr hindern könne und solle, unser Ziel glücklich zu erreichen.
[72] Lieutenant Garde berechnete eine Bewegung von zwei Fuß in 24 Stunden. Schon die Form des Eisgletschers wie seine Haltung beweisen, daß er völlig lokal ist.
Kapitel XII.
Ein Eskimolager.
Eskimo von Kap Bille.
(Nach einer Photographie.)
n der Nähe des nördlich vom Puisortok gelegenen Vorgebirge Kap Bille angelangt, vernahmen wir vom Lande her sonderbare Laute, gleichsam ein Gemisch von Menschenstimmen und Hundegeheul. Wir hielten Ausguck und erblickten nun einige dunkle Massen, in denen Bewegung zu sein schien, und als wir näher hinsahen, zeigte es sich, daß es Menschenschwärme waren, die an den Felsabsätzen hinauf zerstreut waren und lebhaft durcheinander sprachen, gestikulirten und auf uns zeigten, die wir uns ruhig durch das Eis hindurch arbeiteten. Wir entdeckten nun auch mehrere Fellzelte, die an die Felsen lehnten, und bemerkten einen sonderbaren Geruch von Thran oder dergl., den der Wind uns vom Lande her entgegentrug. Obwohl es noch nicht Abend war, konnten wir der Versuchung nicht widerstehen, diese merkwürdigen, uns unbekannten Menschen zu begrüßen. In demselben Augenblick, als wir die Böte dem Lande zuwandten, steigerte sich der Lärm dort erheblich. Man schrie und rief, man zeigte und eilte zum Strande hinab und auf die Felsklippen, um besser sehen zu können. Sobald wir bei einigen Eisschollen Halt machten, die uns den Weg versperrten und zu unseren langen Bootshaken von Bambusrohr griffen, um uns einen Weg zu bahnen, kannte der Lärm keine Grenzen mehr, — man schrie und lachte. Dicht am Ufer kamen uns einige Eskimos in ihren Kajaks entgegen. Unter ihnen erkannten wir auch unsere beiden Freunde vom Vormittage. Sie lächelten über das ganze Gesicht und waren äußerst freundlich, indem sie uns mit ihren kleinen Fahrzeugen umkreisten, uns den Weg zu zeigen suchten, den wir ebensogut allein finden konnten, und über unsere starken hölzernen Böte staunten, die ruhig dahinglitten, ohne sich durch die Eisstücke beirren zu lassen, die ihre Fellböte zweifelsohne zerschnitten haben würden.