Ein Eskimo-Knabe von Kap Bille.
(Nach einer Photographie.)

Endlich glitten wir an den letzten Eisschollen vorüber, dem Lande zu, wo sich unserm Auge in dem jetzt eingetretenen Halbdunkel eine so phantastische Scene darbot, wie ich sie nie zuvor gesehen habe. Den ganzen Berg hinauf standen lange Reihen von Gruppen, die aus wunderlich wilden, zerlumpt aussehenden Menschen, Männern, Frauen und Kindern, gebildet wurden, alle ungefähr in derselben Tracht. Sie starrten uns an, zeigten auf uns und stießen dieselben brüllenden Laute aus, die wir am Vormittage gehört hatten; jetzt klang es geradezu täuschend wie eine große Kuhherde, die um die Wette brüllt, wenn man am Morgen die Stallthür öffnet, um ihnen Futter zu bringen. Unten am Strande erblickten wir eine ganze Anzahl von Männern, die eifrig mit den Armen in der Luft fochten, um uns einen guten Landungsplatz zu zeigen.[73] Oben auf dem Berge erhoben sich mehrere gelbbraune Fellzelte, während Kajaks, Frauenböte und verschiedene Gegenstände über den Strand zerstreut lagen. Ringsumher auf dem Wasser schwärmten die Kajakmänner, dazwischen die beiden mit uns Sechs bemannten Böte und als Staffage der gewaltige Gletscher, das Treibeis und der blutrothe Abendhimmel, — wahrlich ein Bild höchst eigener Art!

Eskimos von Kap Bille.
(Von E. Nielsen nach einer Photographie.)

Da herrschte ein Leben und eine Bewegung, die in wohlthuendem Widerspruch zu dem öden Schweigen stand, das uns bisher umgeben hatte.

Es währte natürlich nicht lange, bis wir an Land gekommen waren, die Böte vertaut hatten und uns von den Heiden umringt sahen, die uns und die Böte erst verwundert betrachteten und uns dann Alle mit dem freundlichsten Lächeln begrüßten.

Die Sprache der Eskimos hat keinen Ausdruck für „Guten Tag“ oder „Willkommen“, — ein freundliches Lächeln ist ihr einziger Bewillkommnungsgruß.

Man sprach auf uns ein und rief uns in die Ohren, daß es klang wie das Brodeln eines Kessels, — und doch konnten wir keine Silbe von alledem verstehen.

Wir schauten ein wenig um uns, — sie schienen höchst gemüthlich zu leben mitten zwischen Eis und Schnee, unwillkürlich empfanden wir den Wunsch, länger bei ihnen verweilen zu dürfen.