„Sie war verhältnißmäßig jung, hatte ein sympathisches Aeußeres — —“
(Von E. Nielsen nach einer Photographie.)

Wir blickten auch durch die Thüren verschiedener Zelte. In dem einen waren zwei junge Mädchen damit beschäftigt, eine große Möve aus einem Kochtopf zu ziehen und zu verzehren, indem sie Jede an einem Ende anbissen und vor lauter Wohlbehagen über das ganze Gesicht lachten. Der größte Theil der Federn saß noch an dem Vogel, aber das schien nichts zur Sache zu thun, sie spuckten sie wahrscheinlich wieder aus.

Da kam der Hausherr aus dem Zelt.
(Nach einer Photographie.)

Einige Frauen hatten bemerkt, daß die Lappen Quickgras in ihren Komagen trugen, und nun kamen sie mit großen Vorräthen für Jeden von uns herbeigeschleppt, wobei sie sehr kokett lächelten. Wir dankten natürlich verbindlichst, indem wir unsererseits huldvoll lächelten. Da machten sie uns Zeichen, ob wir ihnen nicht dafür einige Nähnadeln schenken wollten. Dies hätte ich nun ganz gut thun können, da ich allerlei dergleichen mitgenommen hatte, in der Absicht, es als Tauschmittel zu verwenden, wohl wissend, daß man an der Ostküste von Grönland großen Werth auf so etwas legt. Es war jedoch meine Absicht, es für eine eventuelle Ueberwinterung aufzubewahren, wo es mir sehr zu statten kommen würde. Statt dessen schenkte ich ihnen aber einen Blechkasten, der hermetisch verschlossene Sachen enthalten hatte. Sie waren ganz außer sich vor Freude darüber, ihre Augen glänzten und sie sprangen im Kreise umher, um den Anderen ihren Schatz zu zeigen. Das Quickgras war uns sehr willkommen, denn das der Lappen ging bereits auf die Neige, und ohne Gras in ihren Schuhen fühlen diese Menschen sich unbehaglich. Im übrigen hatten sie allerlei an dem Quickgras der Eskimos auszusetzen; es war nicht zur rechten Jahreszeit gesammelt und nicht frisch geschnitten. Es nützte nicht, ihnen auseinanderzusetzen, daß die Eskimos in der Regel keine größeren Vorräthe einzusammeln pflegen, als nothwendig ist.

Eskimolager auf Kap Bille. (Von E. Nielsen nach einer Photographie.)

Aber nun wurde es bald Zeit für uns, aufzubrechen. Wir fingen allmählich an, unsere Vorbereitungen hierzu zu treffen. Da kam ein Mann und befragte uns durch Zeichen, ob wir nordwärts zu fahren gedächten. Als wir dies bejahten, klärte sein Antlitz sich plötzlich auf, denn auch er und seine ganze Sippschaft wollten gen Norden ziehen. Er lief sofort zurück, um diese Neuigkeit zu verkünden, und nun entstand ein reges Treiben in dem ganzen Lager; Europäer und Eskimos machen sich eifrig daran, ihre Zelte abzubrechen, die Böte ins Wasser zu setzen und sie zu beladen, während die Hunde um die Wette heulen. — Die Bewohner des Zeltes, in welchem wir am vorhergehenden Abend gewesen waren, wollten gen Süden ziehen, — ehe wir uns also trennten, erwiderten wir natürlich die Geschenke, die wir erhalten hatten. Mit einigen Blechdosen begab ich mich deswegen in das Zelt, wo ich einige der Männer halbnackt bei der Mahlzeit sitzend fand. Als Jeder von ihnen eine Blechdose erhalten hatte, waren sie sehr erfreut, und einige von ihnen zeigten uns, wie sie sie in Zukunft als Trinkgefäße benutzen wollten. Vor dem Zelt traf ich den Mann mit der Büchse, er drückte mir abermals seinen Wunsch aus, etwas Pulver zu erhalten, als ich aber eine Blechdose holte und ihm die gab, beruhigte er sich damit und freute sich scheinbar sehr.