Alle meine Pfeile sind bereit,
Auch gespannt die Sehne meines Bogens,
Nur die Schneeschuh’ fellbekleidet
Fehlen mir noch für die Fahrt.“
Sehr bezeichnend ist es auch, daß hier von „fellbekleideten Schneeschuhen“ (im Plural) die Rede ist und daß Lemminkäinen — wie im zweiten Vers geschildert wird — zu einem Lappen, „zu dem schönen Käuppi aus Lappland“ geht, um sich von ihm ein Paar gute Schneeschuhe anfertigen zu lassen. Hiernach scheint es also, daß auch die Finnen die Lappen zu Lehrmeistern gehabt haben.
Diese Dichtung ist in ihrer jetzigen Form von verhältnißmäßig spätem Datum, doch stammt sie möglicherweise schon aus dem 12. und 13. Jahrhundert.
In Rußland finden wir die Schneeschuhe außer bei den Großrussen, den Letten und einem Theil der Polen auch bei sämtlichen finnischen Völkern bis an die Wolga hinab. Bei den Permiern werden sie von Herbenstein im Jahre 1549 erwähnt (Rerum moscov. commentaria).
In Asien finden wir die Schneeschuhe über den ganzen nördlichen Theil, nördlich von dem großen Steppen- und Wüstenzug — bei sämtlichen Völkern. Nach den Mittheilungen, die mir Kapitän A. Jakobsen gemacht hat, werden sie bei den Golden, Giljaken und Ainos merkwürdigerweise hauptsächlich bei der Fahrt auf Hundeschlitten benutzt.[16] Der Kojure (Kutscher) sitzt quer über seinem schmalen Schlitten und stützt sich mit den Beinen, unter denen er Schneeschuhe hat.
Jakobsens Kutscher erzählte ihm, daß die Tungusen sich der Schneeschuhe zuweilen bedienen, daß sie sich, auf denselben stehend, von Rennthieren ziehen lassen, indem sie in der linken Hand einen Riemen halten, der an dem Rennthier befestigt ist, während sie mit der Rechten steuern. Etwas Aehnliches muß nach der japanischen Zeichnung, die Nordenskjöld in seiner Vega-Reise (II. Band, Seite 107) wiedergiebt, auch bei den Ainos Sitte sein.[17] Wie mir Professor Fries erzählt, sollen auch die Lappen die Rennthiere zuweilen auf diese Weise benutzen (er hat in seinem Buch „Laila“ eine Schilderung davon gegeben), doch kann — wie man ihm sagte, — dies Kunststück nur von den tüchtigsten und gewandtesten Schneeschuhläufern ausgeführt werden.
Wie man sieht, führen die Aufklärungen über das Schneeschuhlaufen, die wir in der Litteratur finden, nicht sehr weit zurück. Etwas weiter gelangt man, wenn man seine Zuflucht zu der vergleichenden sprachwissenschaftlichen Methode nimmt. Wenn sich derselbe Name für Schneeschuhe bei jetzt weit voneinander getrennt lebenden Völkerstämmen findet, muß eine Wahrscheinlichkeit vorhanden sein, daß diese Völkerstämme einmal nahe bei einander wohnten, oder sogar ein Volk gebildet haben.