In der alten Welt kennt man diese Truger aus Tibet, aus Armenien, dem Kaukasus und verschiedenen Orten in Europa, und innerhalb des Schneeschuhstriches findet man diese primitive Form neben dem Ski u. a. in Skandinavien und bei den Tschukschenen und Ainos (siehe [Seite 96]).
Schon in der klassischen Litteratur werden primitive Formen von Trugern erwähnt. Im Jahre 400 v. Chr. lernte Xenophon (wie bereits in der [Anmerkung S. 42] erwähnt), von den Eingeborenen in den armenischen Bergen, Säcke (σακιά) über die Beine der Pferde zu binden, „da diese sonst bis an den Bauch versanken“. Der Schnee lag klaftertief (Anabasis IV., 5). — Strabo erzählt ungefähr i. J. 20 v. Chr. (XI., 5), daß „die Bergbewohner am südlichen Abhang des Kaukasus sich Platten (πλατεῖα) gleich Tamburins von ungegerbtem Ochsenfell mit Nägeln versehen unter die Füße binden“. Das sollen sie auch noch jetzt thun. In Armenien werden (nach demselben Schriftsteller), auch „runde Scheiben (τροχίσκοι) von Holz mit Nägeln verwendet“. Nach Suidas soll Arrianos (ungefähr i. J. 140 n. Chr.) in einem jetzt verlorenen Werk erzählt haben, „daß Brutios während eines Marsches in den Bergen (Armenien?), wo der Schnee 17 Fuß tief lag, den Bewohnern der Gegend, die an einen Verkehr während des Winters gewöhnt waren, befahl, vor dem Heere herzugehen. Da banden sie runde Geräthe von Weiden (κύκλοι ἐκ λύγων) unter die Füße.“
In diesen Schilderungen von antiken Trugern haben wir bereits Andeutungen, die uns auf den Weg zu der Entwickelungsgeschichte der Schneeschuhe (Ski) führen können.
Es handelt sich darum, daß man sich oben auf dem Schnee hält, indem man die Sohle, mit der man auftritt, vergrößert. Das Umbinden der Beine mit Säcken wurde wohl, falls diese Stelle bei Xenophon richtig ist, jedenfalls doch nur bei Thieren angewendet; die Tungusen und andere Polarvölker pflegen das bei ihren Schlittenhunden zu thun, um sie gegen Verletzungen durch den harten Schnee zu schützen. Am nächsten scheint es zu liegen, daß man sich hölzerne Scheiben unter die Füße bindet. Um den Gang zu erleichtern, werden diese dann länglich gemacht.
Von dieser länglichen Form kann die Entwickelung zwei Richtungen einschlagen. Entweder geht man von der ganz aus Holz bestehenden Platte zu dem leichteren Weidengeflecht über, so wie Arrianos es schildert — und damit haben wir gleich die norwegischen Truger und wahrscheinlich den Ausgangspunkt, von welchem die Truger in ihrer Allgemeinheit sich entwickelt haben, wahrscheinlich auch die indianischen, wenn nicht ähnliche Einrichtungen selbständig für sich an verschiedenen Gegenden der Erde erfunden sind — oder — und das lag nahe in einer Zeit, in der man Thierhäute weit häufiger verwandte als heute, — man überzog die Platten mit Leder, um sie stärker zu machen. Dies mag dann zuweilen ungegerbte Ochsenhaut mit Eisnägeln gewesen sein, wie Strabo es aus dem Kaukasus berichtet; denn auf steilen Felsabhängen kam es sehr darauf an, daß man nicht ausglitt. Bei weniger steilen Abhängen und auf der Ebene hat es sich dann bald herausgestellt, daß es weit vortheilhafter war, die Truger zum Gleiten einzurichten; da lag es denn sehr nahe, sie von unterwärts mit Fell zu bekleiden, an dem die Haare noch festsaßen und, indem sie sich umlegten, eine Gleitfläche bildeten. Man liest oft in Reisebeschreibungen, daß die Naturvölker sich der Thierfelle bedienen, um bergab zu fahren. Strabo berichtet dies aus dem Kaukasus. Die Indianer pflegen z. B. Fell unter ihre Truger zu legen, wenn es bergab geht. Die Bezeichnung, welche die Eskimos für Schneeschuhe (Ski) haben, bedeutet wörtlich „Fell zum Gleiten“ (nach Kleinschmidt). Ihre Ski sind fast immer mit Fell bekleidet.
Aber von dem Augenblick an, wo die Bewegung ins Gleiten übergeht, haben sich die Truger zu Ski entwickelt.
Um eine Stütze für die Annahme dieser Entwickelungsweise der Ski zu erhalten, müssen wir untersuchen, ob es möglicherweise noch Skiformen giebt, die durch ihre größere Breite und verhältnißmäßig geringe Länge an die Trugerform erinnern.
Wenden wir uns ostwärts nach Sibirien, so werden, wie Kapitän A. Jakobsen mittheilt, die Skiformen immer kürzer und breiter. Ganz im Osten, bei den Golden und Giljaken, sind sie nur 1,40-1,60 m lang und 16 cm breit.[22] Das Verhältniß zwischen der Länge und der Breite ist folglich 9 : 1. Der Sprung bis zu langen, fellbekleideten Trugern ist durchaus nicht groß, jedenfalls nicht größer als zum Beispiel bis zu Drontheimschen oder Österdalschen Ski mit einem Verhältniß bis zu 30 : 1.
Einen deutlichen Eindruck, wie klein der Sprung vom Truger bis zum Ski sein kann, erhält man, wenn man die Zeichnungen betrachtet, die Nordenskjöld in seiner Beschreibung der Vegareise (B. II., S. 106) von einem Truge und einem Ski der Tschukschen giebt. Der Uebergang in der Form von dem einen bis zum anderen ist nicht groß; man mache den Truge ganz von Holz und beziehe ihn mit Fell, und man hat einen Ski.
Geht man nach der amerikanischen Seite der Behringsstraße hinüber, so findet man auch bei den Alaschka-Indianern lange, schmale Truger, ähnlich denen der Tschukschen, die auffallend an die kurzen, kleinen Ski erinnern, die man bei vielen ostsibirischen Völkern findet. Ski findet man dagegen nicht bei den amerikanischen Völkern, falls sie nicht später eingeführt worden sind.