Wie dies Schmalerwerden und dies Verlängern nach der Skiform zu im westlichen Amerika zu erklären ist, und ob es irgend einer indirekten Verbindung mit den Ski oder einer Beeinflussung derselben zuzuschreiben ist, darüber wage ich mich im Augenblick nicht auszusprechen.
Im westlichen Sibirien gleichen die Ski in ihrer Form mehr den gewöhnlichen europäischen Ski. Im „Museum für Völkerkunde“ in Berlin hat man ein Paar Samojeden-Ski (mit Seehundsfell bezogen), die nach einer von Kapitän A. Jakobsen vorgenommenen Messung 2,20 m lang und 15 cm breit sind.[23]
Die älteste zuverlässige Zeichnung[24] von norwegischen Ski, die wir besitzen, ist die von Stephanus in seiner Ausgabe des Saxo i. J. 1644. Diese Zeichnung, von der ich hier eine Kopie wiedergebe, ist äußerst interessant, weil sie in hohem Grade an die Abbildungen erinnert, die wir von tungusischen und ostsibirischen Ski haben. Sie stellt möglicherweise eine jetzt verschwundene Skiform dar, die der ursprünglichen bedeutend näher gestanden hat als die jetzige. Zuweilen kann man sogar jetzt noch, besonders in den entlegneren Gegenden Norwegens, eigenthümliche und scheinbar veraltete Formen antreffen.
Alter norwegischer Ski. (Nach einer Zeichnung aus dem Jahre 1644.)
Die fellbekleideten Ski scheinen demnach die ursprünglichste Form gewesen zu sein; sie ist auch über ganz Sibirien verbreitet und scheint dort die gebräuchlichste zu sein. In den ältesten norwegischen Sagen und Skaldengedichten bedient man sich, wie wir bereits gesehen haben, ursprünglich nur des Wortes Aander,[25] das jetzt zur Bezeichnung der kurzen, fellbekleideten Ski der Lappen und Nordländer verwendet wird.
Nach dem russischen Ableitungswort golos zu urtheilen, könnte es, wie bereits bemerkt wurde, den Anschein haben, als ob die Lappen die Benutzung der Ski ohne Fell erst von den Russen erlernt hätten. Dies ist jedoch nicht wahrscheinlich, wenn wir sehen, daß solche Ski auch häufig ganz östlich in Sibirien, bei den Tungusen, benutzt werden. (Nach Mittheilung von Jakobsen.) Freilich haben sie hier dieselbe Form wie die fellbekleideten Ski und sind wohl häufig nur eine Folge von dem Mangel an Fellen.
Es hat überhaupt den Anschein, als wenn sie ihre hauptsächliche Entwickelung in Europa erhalten haben, wo man wohl auch weniger Vorrath an Fellen, dafür aber eine desto größere Auswahl von Holzsorten zum Verfertigen von guten, unbekleideten Ski hatte.[26]
Indem man die schwere Fellbekleidung fortließ, konnte man den Ski länger machen und ihm dadurch eine größere Tragfläche geben, so daß er weniger einsank und desto leichter über den Schnee dahinglitt. In Skandinavien und besonders in Norwegen hat diese Skiform ihre höchste Entwickelung erreicht, und wo das Dahingleiten über den Schnee und das Vorwärtskommen die Hauptsache sind, da muß diese Skiform wohl als die vollkommenste angesehen werden.
Um einen kurzen Ueberblick über die Entwicklungsgeschichte des Skis zu geben, so wie wir sie auf Grundlage des oben [aufgestellten] betrachten, mag folgender Stammbaum aufgestellt werden: