Auch auf frischgefallenem Schnee gleitet es sich nicht leicht; er pflegt, selbst wenn er bei Kälte fällt, Neigung zum Hängenbleiben zu haben. Dasselbe ist auch der Fall beim Schneetreiben. Der Schnee wird gewöhnlich, nachdem er dem Winde eine Weile ausgesetzt war, fein wie Staub, er ballt sich fest zusammen und fühlt sich beim Gehen zäh wie Tuch an. Besonders ist dies der Fall, wenn der Schnee bei starker Kälte gefallen ist und seither keinem Thauwetter ausgesetzt war, denn er ist dann schon von vornherein sehr fein. Solchen Schnee, und zwar von der zähesten Art, hatten wir fast die ganze Zeit hindurch auf dem Inlandseis in Grönland.

Es ist selbstverständlich, daß der Schnee, wenn man leicht darüber hingleiten soll, nicht allein glatt, sondern auch einigermaßen fest sein muß, so daß die Ski nicht zu tief einsinken.

Als guter Schnee ist deswegen derjenige zu betrachten, der bei Thauwetter fällt, zusammensinkt und darauf scharfer Kälte ausgesetzt ist. Noch besser ist es, wenn der Schnee erst dem Thauwetter und dann der Kälte ausgesetzt war, so daß sich eine feste Kruste bilden konnte. Fällt dann eine ganz dünne, ungefähr einige Centimeter dicke Schicht losen, guten Schnees oder noch besser Reif, so wird es eine Skibahn ersten Ranges, die Ski gleiten ganz erstaunlich leicht und selbst bei der schwächsten Abschrägung geht es ganz von selber abwärts. Eine glatte, harte Kruste ohne Schnee darauf ist insofern gut, als es sich leicht darüber hingleiten läßt. Ist die Kruste aber zu hart, so haben die Ski keinen Halt und schleudern, falls sie nicht eigens für diesen Zweck eingerichtet sind, leicht hin und her. Bei unebenem Terrain ist es deswegen bei solcher Bahn schwer, das Gleichgewicht zu behalten, um so mehr, als man gewöhnlich in fliegender Fahrt dahinsaust.

Das Skilaufen ist nicht immer ohne Gefahr, und Derjenige, der sich z. B. bei mit glatter Kruste überzogenem Schnee über steile Abhänge, in unbekannten unebenen Gegenden dahinbewegt, muß die vollkommene Herrschaft über seine Ski haben; denn sonst könnte es ihm ergehen, wie es in einer alten Beschreibung heißt: „Falls er fällt, kann es ihm leicht passiren, daß er Arm und Beine bricht.“[27] Es ist indessen zu bewundern, wie wenig Unglücksfälle sich im ganzen auf Ski ereignen, und insofern ist es ganz richtig, wenn es in derselben Beschreibung weiter heißt: „Zum Glück für den Burschen pflegt in solchem Fall ein geringeres Unglück einzutreten: seine Ski zerbrechen, was ebenso schnell geschieht, als wie ein Pfeifenrohr zerbricht. Ich bin oft Augenzeuge eines solchen Vorgangs gewesen.“

Im Sprung.


GRÖSSERES BILD

Völlig so oft, wie es hiernach erscheinen mag, zerbrechen die Ski nun freilich nicht. Für einen tüchtigen Skiläufer, der gute Ski hat, gehört es zu den Ausnahmen, daß so etwas geschieht. Ein zerbrochener Ski fern von Menschen auf tiefem Schnee kann übrigens unangenehm genug sein, obwohl man deswegen nicht rathlos ist. Eins der Stücke wird, so gut es eben geht, hergerichtet und an den Fuß geschnallt und dann geht es darauf weiter vorwärts. Daß ein kühner Schneeschuhläufer bei Ausübung seiner Kunst stets ein wenig wagt, das macht diesen Sport nur um so anziehender, es erhöht die Spannung und trägt dazu bei, den Willen zu stählen und die männliche Kraft zu entwickeln.

In den allerletzten Jahren hat das Schneeschuhlaufen in Norwegen einen gewaltigen Aufschwung genommen; es ist in der Beziehung ein ganz neuer Geist in das norwegische Volk gefahren. Dies haben wir im wesentlichen den öffentlichen Skiversammlungen zu verdanken, namentlich denen in Kristiania, wo die Telemarker sich einstellten und die jungen Städter durch ihre Ueberlegenheit in Erstaunen setzten, und wo diese ihnen ihre Kunstgriffe absahen und sie gar bald zu übertreffen lernten.

Derjenige, der diese mächtige Bewegung Schritt für Schritt mit durchgemacht hat, der sich erinnert, wie öde und leer es noch vor 12 Jahren auf den Skihügeln vor der Stadt war, und der sieht, wie es jetzt im Winter überall von jungen und alten, männlichen und weiblichen Schneeschuhläufern wimmelt, — kann sich nur über dies gesunde, frische Leben freuen.